[{"content":"Willkommen in der Ausstellung HAMMERSCHLAG über die „Hamburger Spiegelaffäre“, einer Kampagne, die im Jahr 1980 zur Abschaffung der Überwachung von Homosexuellen in öffentlichen Toiletten in Hamburg führte. Am 02. Juli 1980 zerschlug ein anonymes Kollektiv einen Spionspiegel, der auf der öffentlichen Herrentoilette in der U-Bahn-Station Jungfernstieg eingebaut war. Dieser wurde von der Hamburger Polizei dazu genutzt, Männer die Sex mit Männern suchten zu überwachen und sie durch Kontrollen, Verwarnungen und Hausverbote illegalerweise in sogenannten „Rosa Listen“ zu registrieren.\nDie Ausstellung HAMMERSCHLAG beschäftigt sich mit der polizeilichen Überwachungspraxis, dem Toilettenraum in queerer Kunst und der queeren Selbstbefreiungspraxis im Jahr 1980. Sie zeigt also die Entwicklung der Überwachung durch die Polizei auf öffentlichen Toiletten in Hamburg, erzählt die Geschichte von queerem Widerstand und kontextualisiert die Ereignisse im Zeitgeschehen der Bundesrepublik zum Ende der 70er Jahre. Dieser Text soll es den Besucher*innen erlauben, die Installation und ihre Stationen auf eigene Faust zu erkunden. Dabei wird es viel um das ‚Aufdecken‘ und ‚Abdecken‘, das ‚sichtbar‘ und ‚unsichtbar‘ werden gehen. Manches wird hell erleuchtet sein und manches im Verborgenen bleiben.\nDie Ausstellung ist eine Einladung, dabei zuzusehen, wie eine klandestine Praxis der Polizei durch eine konkrete Intervention – einen Akt des politischen Widerstands – zum öffentlichen Skandal wurde.\nEhe wir den Hauptschauplatz jenes Skandals, der Toilette am Hamburger Jungfernstieg, erkunden, betreten wir nun den „Vorraum“, eine Schleuse, die uns auf diese Zeitreise vorbereiten soll. Alles ist am Anfang. Die Pissoirs stehen ein bisschen zu nah aneinander.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/01_intro/","summary":"Station 1 – Einführung in den Ausstellungsrundgang","title":"Intro"},{"content":"· 14:00 Uhr · Kampnagel K4 · Podiumsdiskussion mit Shahrzad Golab, Vera Klocke, und Luna Möbius · Moderation: René Schaar Sarah Plochl ·\nIn diesem Panel fragen wir, ob wir heute unbewusst überwacht werden. Wie Privat oder Öffentlich sind wir eigentlich (noch)? Und was bedeutet das für unser Leben, nicht mehr „privat“ sein zu können? Welche Rolle spielen Social Media Plattformen für aktuelle Formen von Überwachung? Können wir die Idee von selbstbestimmter Sichtbarkeit und Übererfüllung von Klischees nutzen, um hinter dem Spiegel von Social Media ein wirklich „privates“ Selbst zu schaffen? Oder ist das ein Mythos der Konsumkultur?\nShahrzad Golab ist freie Journalistin und Host des Deutschlandfunk-Podcasts „Dark Agent“. Sie beschäftigt sich mit Überwachung und ihren Folgen für Gesellschaft, Politik und Freiheit.\nDr. Vera Klocke ist Kulturwissenschaftlerin, Drehbuchautorin und Podcasterin. Sie lehrte an der Universität der Künste Berlin, der Universität Hamburg und der Filmuniversität Konrad Wolf und leitet seit April 2025 die Forschungsstelle Konsumkultur der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Freya Herrmann produziert sie den Podcast „Fashion The Gaze“ und veranstaltet das TIKTOK KOLLOQUIUM an der Volksbühne Berlin, das sich mit den politischen Potenzialen popkultureller Inszenierungen auseinandersetzt. @veraklocke\nSachsen-Anhalts finest rage girl Luna Möbius legt den Fokus bewusst auf ihre Heimat Ostdeutschland und fragt sich, wie der Neuen Rechten der Wind aus den Segeln genommen werden kann. Als Content Creator analysiert sie, wie politische Debatten auf Social Media entstehen, eskalieren, die öffentliche Meinung prägen und wie Demokrat:innen Teil davon sein können. @luna.moebius · webseite Luna Möbius kann krankheitsbedingt nicht teilnehmen.\nRené Schaar arbeitet als Diversity Manager beim NDR und ist der Initiator von Elin, der ersten Puppe mit Behinderung in der deutschen „Sesamstraße“. Seit seiner Geburt ist René behindert. @rene_schaar · webseite René Schaar kann krankheitsbedingt nicht teilnehmen.\nIhre besondere Stärke kann die Performerin und Sprachcoach Sarah Plochl in mehrsprachigen, emotionalen Situationen ausspielen. Seit 2017 arbeitet sie mit den Gruppen Choke Hole, Queereeoké und Baltic Raw auf den freien Bühnen der Hansestadt. Als Teil des Ensembles der Gruppe Nesterval, in deren immersiven Stücken die Grenze von Realität und Fiktion verschwimmt, war sie in den letzten beiden Jahren auf Kampnagel zu Gast. In die Produktion „Hammerschlag“ kann sie diese Expertise hervorragend mit ihrer langjährigen Erfahrung als Tour Guide im Beatles Museum verbinden. @saratoninne · webseite\nTickets für alle Veranstaltungen gibt es unter diesem Link.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/veranstaltungen/spiegelpanel/","summary":"\u003cp\u003e· \u003cem\u003e14:00 Uhr · Kampnagel K4\u003c/em\u003e\n\u003cbr\u003e· Podiumsdiskussion mit \u003cem\u003eShahrzad Golab\u003c/em\u003e, \u003cem\u003eVera Klocke\u003c/em\u003e, und \u003cdel\u003e\u003cem\u003eLuna Möbius\u003c/em\u003e\u003c/del\u003e\n\u003cbr\u003e· Moderation: \u003cdel\u003e\u003cem\u003eRené Schaar\u003c/em\u003e\u003c/del\u003e \u003cem\u003eSarah Plochl\u003c/em\u003e ·\u003c/p\u003e\n\u003cblockquote\u003e\n\u003cp\u003eIn diesem Panel fragen wir, ob wir heute unbewusst überwacht werden. Wie Privat oder Öffentlich sind wir eigentlich (noch)? Und was bedeutet das für unser Leben, nicht mehr „privat“ sein zu können? Welche Rolle spielen Social Media Plattformen für aktuelle Formen von Überwachung? Können wir die Idee von selbstbestimmter Sichtbarkeit und Übererfüllung von Klischees nutzen, um hinter dem Spiegel von Social Media ein wirklich „privates“ Selbst zu schaffen? Oder ist das ein Mythos der Konsumkultur?\u003c/p\u003e","title":"SPIEGEL–Panel"},{"content":"Wir schreiben das Jahr 1980: Helmut Schmidt ist Bundeskanzler, die bundesdeutsche Öffentlichkeit erholt sich langsam vom „RAF-Terror“, der deutsche Herbst 1977 ist vorüber. Die Taten der RAF haben das Thema der öffentlichen Sicherheit auf den Plan gerufen; die Polizei hat sich im Laufe der 1970er zunehmend militarisiert, tritt nun bei Demonstrationen – zum Beispiel gegen Atomkraft – mit Kampfmontur und Schlagstöcken auf, setzt Reizgas ein. Die „Republik Freies Wendland“ wird im Juni 1980 von der Polizei geräumt. Zur Verfolgung von Straftaten wird die „Rasterfahndung“ - das damalige Wort des Jahres - entwickelt. Überwachung und Kontrolle erleben, angetrieben von der zunehmenden Verbreitung der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) eine neue Hochzeit, was auch innerhalb der bürgerlichen Mitte zunehmend kritisch diskutiert wird.\nMit der Entschärfung des §175 StGB im Jahr 1969 ist öffentlich sichtbare schwule Kultur überhaupt erst möglich: es gründen sich schwule Magazine („Du\u0026amp;Ich“ zum freien Verkauf, offen schwule Kneipen wie das Spundloch und Geschäfte wie der Revolt Shop). Gleichzeitig können studentisch bewegte schwule Gruppen der später so genannten „Zweiten Deutschen Schwulenbewegung“ auf eine inzwischen zehnjährige Geschichte zurückblicken. Mit dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ von Rosa von Praunheim im Jahr 1971 gründeten sich bundesweit Aktionsgruppen, vor allem im studentischen Umfeld. Diese Gruppen waren mit öffentlichen Aktionen und Protesten einerseits nach außen gerichtet, andererseits wirkten sie mit Selbsterfahrungsprogrammen nach innen in die Szene hinein. Den Begriff „schwul“ betrachteten sie nicht als Beschreibung der Sexualität, sondern als politische Identität. In Hamburg gründeten sich in diesem Umfeld auch erste Gruppen wie die Theatergruppe „Brühwarm“, die Kunst und Aktivismus verbanden. Denn trotz gesetzlicher Lockerungen kann von einer breiten bürgerlichen Akzeptanz von Homosexualität in den 1970ern noch nicht die Rede sein, da homosexuelle Menschen bei einem Outing zum Beispiel den Verlust ihrer Arbeitsstellen befürchten mussten. Auch wenn der §175 StGB im Jahr 1973 ein weiteres Mal entschärft wurde und homosexuelle Handlungen dadurch nur bei Missachtung des Schutzalters von 18 Jahren oder bei Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses unter Strafe stellt, haftet Homosexualität weiterhin der kriminelle „Anfangsverdacht“ an. Die 1970er Jahre sind geprägt von Spannungen zwischen Spießbürgertum und Befreiungsbestrebungen.\nAuch das heute allgemein bekannte Wissen um die gezielte Verfolgung von schwulen Männern, lesbischen Frauen und trans Menschen im Nationalsozialismus wurde erst in den 1970er Jahren verbreitet. „Brühwarm“ besprach dieses Thema (unter einigen anderen) in ihrem ersten Theaterstück 1978; eine der ersten Monographien zu diesem Thema wurde 1981 von Hans-Georg Stümke und Rudi Finkler veröffentlicht, unter dem Titel „Rosa Winkel, Rosa Listen. Homosexuelle und »Gesundes Volksempfinden« von Auschwitz bis heute.“. Erst so wurde die Gruppe der Homosexuellen als Opfergruppe des Nationalsozialismus anerkannt, und damit auch ein öffentliches Gedenken an sie in den späten 1970er/frühen 1980er Jahren offiziell etabliert.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/02_eingang/","summary":"Station 2 – Das Jahr 1980, die Zweite Deutsche Schwulenbewegung und der §175 StGB","title":"Eingang"},{"content":"· 16:30 Uhr - 18:30 Uhr · Kampnagel P1 · mit Anahita Neghabat ·\nIn diesem Workshop wird erkundet, wie Memes als kreative Werkzeuge eingesetzt werden können, um Botschaften pointiert, humorvoll und wirkungsvoll zu vermitteln. Gemeinsam soll die Funktionsweise von Memes in digitalen Kommunikationsräumen analysiert, eigene Memes entwickelt und deren Potenzial als Mittel für Aktivismus und Bildungsarbeit diskutiert werden. Der Workshop richtet sich an alle, die Memes nicht nur konsumieren, sondern strategisch nutzen möchten. Es sind keine Vorkenntnisse notwendig\nAnahita Neghabat, Sozialanthropologin und Künstlerin, leitet das Institut für Migrationspädagogik in Wien und arbeitet zu Rassismus und Feminismus. @anahita.ne · @ibiza_austrian_memes · webseite ","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/veranstaltungen/workshop/","summary":"\u003cp\u003e· \u003cem\u003e16:30 Uhr - 18:30 Uhr · Kampnagel P1\u003c/em\u003e\n\u003cbr\u003e· mit \u003cem\u003eAnahita Neghabat\u003c/em\u003e ·\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eIn diesem Workshop wird erkundet, wie Memes als kreative Werkzeuge eingesetzt werden können, um Botschaften pointiert, humorvoll und wirkungsvoll zu vermitteln. Gemeinsam soll die Funktionsweise von Memes in digitalen Kommunikationsräumen analysiert, eigene Memes entwickelt und deren Potenzial als Mittel für Aktivismus und Bildungsarbeit diskutiert werden. Der Workshop richtet sich an alle, die Memes nicht nur konsumieren, sondern strategisch nutzen möchten. Es sind keine Vorkenntnisse notwendig\u003c/p\u003e","title":"Workshop: MEME THE PAIN AWAY"},{"content":"Wir betreten jetzt den Putzraum, denn ehe wir uns ins Innere der Geschichte begeben, müssen wir zunächst anerkennen, dass sich nicht nur die Umstände queeren Lebens seit den 1980er Jahren verändert haben, sondern auch die Sprache, die diese beschreibt: Um heute, im Jahr 2026, die Überlieferungen aus dem Jahr 1980 richtig interpretieren und einordnen zu können, müssen wir uns vor Augen führen, dass mit Queerness und Homosexualität konnotierte Begriffe damals andere Bedeutungen und Nebenbedeutungen hatten als heute. Im Putzraum räumen wir also zuallererst mit Begriffen auf:\nSchwul In den frühen 1970er Jahren eigneten sich aktivistische Menschen den Begriff „schwul“ bewusst an und bezeichneten damit eine öffentlich gelebte politische Sexualität im Gegensatz zu einer, die schamhaft verborgen wurde. Als „schwul“ bezeichneten sich nicht nur homosexuelle Männer, sondern auch lesbische Frauen, die sich gemeinsam in Schwulengruppen organisierten.\nTunte Die Tunte bezeichnete einen sich bewusst affektiert, extrovertiert und „weibisch“ verhaltenden Mann, der seine Orientierung offen lebt. Neben ihrem bürgerlichen Namen trugen viele Tunten einen „Tuntennamen“ und nutzen untereinander die Pronomen „sie/ihr“ - und das ungeachtet ihrer Geschlechtsidentität. Ihre Freizeitkleidung war „der Fummel“ (Tuntensprache für Outfit). Damit grenzten sie sich klar von jenen ‚heimlichen‘ Homosexuellen ab, die sich weiter männlich-normativ präsentierten, womit sie ihren rechten Platz in der Mitte des Spießbürgertums zu bewahren suchten (vgl. Homonormativität).\nLesbisch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde „lesbisch“ als despektierlicher Begriff für kriminelle Frauen verwendet, denen Homosexualität unterstellt wurde; erst in den 1970er Jahren eigneten sich homosexuelle Frauen den Begriff als positive Selbstbezeichnung an. Bis in die späten 1970er Jahre bezeichneten sich homosexuelle Frauen jedoch weiterhin auch als schwul (inspiriert durch das englische „gay“) und waren auch aktiver Teil der Schwulenbewegung. Im Umfeld der Frauenbewegung setzte sich schließlich der Begriff „lesbisch“ durch.\nTrans Viele Menschen, die sich heute als „trans“ bezeichnen würden, waren bereits in den 1970er und 1980er Jahren Teil nicht-heteronormativer Szenen und Bewegungen. Sie waren sichtbar – jedoch häufig unter anderen Begriffen und in anderen politischen Zusammenhängen. Innerhalb der Schwulenbewegung stand vor allem die politische Identität einer gleichgeschlechtlichen Orientierung im Zentrum, während Fragen von sozialer Geschlechtsidentität eine untergeordnete Rolle spielten. Trans Frauen bewegten sich vielfach in schwulen Kontexten und bezeichneten sich – je nach Selbstverständnis und Diskurs – etwa als „Tunten“, „Transvestiten“ oder „Transsexuelle“. Diese Begriffe spiegeln weniger ein Fehlen von trans Existenzen wider, als vielmehr andere sprachliche und politische Rahmungen von Geschlecht. Aus heutiger Perspektive kann das als Unsichtbarkeit erscheinen, jedoch handelt es sich eher um eine Verschiebung der Begriffe und Kategorien: Trans Leben war präsent, wurde aber in einer anderen Weise benannt, organisiert oder politisch artikuliert als es heute der Fall ist.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/03_putzraum/","summary":"Station 3 – Aufräumen mit Begriffen","title":"Der Putzraum"},{"content":"· 19:00 Uhr · Kampnagel K4 · Podiumsdiskussion mit Lie Ning Julia Stolba, Miriam Coretta Schulte, und Frederik Busch · Moderation: Dixi Glow ·\nIn diesem Panel geht es um Kunst und Aktivismus, die Geschichte nicht nur aufarbeiten und verändern, sondern Utopien und alternative Zukünfte herstellen können. Welche Grenzen und Möglichkeiten verbergen sich in dieser Zwischenwelt? Inwieweit ist Kunst, die in einem öffentlichen und politischen Raum stattfindet, immer auch Aktivismus? Was kann Aktivismus als Kunst eigentlich, was Aktivismus ohne Kunst nicht kann?\nLie Ning ist ein in London lebender Musiker, Model, Tänzer, Art Director sowie LGBTQ+- und POC-Botschafter. Lie Ning bewegt sich gekonnt zwischen Indie, Soul und R’n’B und schafft Momente zeitloser Popmusik sowie emotional kraftvolle Bilder träumerischer Weite und eindringlicher Ernsthaftigkeit. @lie__ning · webseite Lie Ning musste kurzfristig absagen.\nJulia Stolba ist Künstlerin und Kunsttheoretikerin. Sie forschte von 2021-2026 in ihrer künstlerisch-wissenschaftlichen Promotion mit dem Titel „Das dissoziative Archiv. Von Partisan:innen, Geistern und Affekten im Museum Peršmanhof“ an der HFBK Hamburg, gefördert durch das Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung, zu Gewaltgeschichten in Archiven, transgenerationaler Übertragung von Trauma, dissoziativen Dynamiken und der Bedeutung von Affekten in künstlerischer, kuratorischer und kunstvermittlerischer Archivarbeit. In ihrer konzeptuellen, künstlerisch-forschenden Auseinandersetzungen an der Schnittstelle von Theorie und Praxis arbeitet sie mit Malerei-Installationen, Zeichnung, Sound, Text und mit psychoanalytischen Konzepten zu widerständigen feministischen und antifaschistischen Gegen-Geschichten zum hegemonialen Wissenskanon. @julia_stolba · webseite\nMiriam Coretta Schulte ist Theatermacherin zwischen Berlin, Basel und Kairo. Im aktuellen Projekt “messy safety” erarbeitet sie Visionen für mehr kollektive Sicherheit und weniger Polizei. @miriam_coretta_mcshoe · webseite\nFrederik Busch (*1974) ist Medienkünstler, Autor \u0026amp; Performer. Seine Arbeit ist interdisziplinär angelegt und umfasst Fotografie, Performance, Text und Film. Sie ist einer gemeinsamen ästhetisch-politischen Fragestellung verpflichtet und entwickelt sich aus einer klar erkennbaren künstlerischen Handschrift. Diese kontinuierliche Auseinandersetzung mit Fragen von Sichtbarkeit, Körper und Macht ist wichtiger als die Festlegung auf ein einzelnes Medium. @frederik.busch · webseite\nDrag Artist Dixi Glow tanzt seit 2022 auf dem Drahtseil fragiler Männlichkeiten und Binaritäten in Wien. Mit April 2025 hat sich der Wiener Performance Künstler auf St. Pauli niedergelassen, um nun auch das Cis-tem nördlich des Weißwurstäquators zu verägern. Neben Performances auf diversen Club- und Veranstaltungsbühnen in Österreich und Deutschland, gibt Dixi Glow Drag Workshops, arbeitet im Bereich Bildung und Vermittlung an Schulen und renomierten Kunsthäusern oder organisiert eigene Veranstaltungen mit Fokus auf queere und trans* Themen. @dixi.glow · linktree\nTickets für alle Veranstaltungen gibt es unter diesem Link.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/veranstaltungen/hammerpanel/","summary":"\u003cp\u003e· \u003cem\u003e19:00 Uhr · Kampnagel K4\u003c/em\u003e\n\u003cbr\u003e · Podiumsdiskussion mit \u003cdel\u003e\u003cem\u003eLie Ning\u003c/em\u003e\u003c/del\u003e \u003cem\u003eJulia Stolba\u003c/em\u003e, \u003cem\u003eMiriam Coretta Schulte\u003c/em\u003e, und \u003cem\u003eFrederik Busch\u003c/em\u003e\n\u003cbr\u003e· Moderation: \u003cem\u003eDixi Glow\u003c/em\u003e ·\u003c/p\u003e\n\u003cblockquote\u003e\n\u003cp\u003eIn diesem Panel geht es um Kunst und Aktivismus, die Geschichte nicht nur aufarbeiten und verändern, sondern Utopien und alternative Zukünfte herstellen können. Welche Grenzen und Möglichkeiten verbergen sich in dieser Zwischenwelt? Inwieweit ist Kunst, die in einem öffentlichen und politischen Raum stattfindet, immer auch Aktivismus? Was kann Aktivismus als Kunst eigentlich, was Aktivismus ohne Kunst nicht kann?\u003c/p\u003e","title":"HAMMER–Panel"},{"content":"Wir sehen den Haupteingang der öffentlichen Herrentoilette am Hamburger Spielbudenplatz, fotografiert im Jahr 1986, als sie schon geschlossen war: Im Jahr 1980 gab es 244 öffentliche Toiletten in Hamburg, von denen viele in den folgenden Jahren aufgrund von Haushaltseinsparungen geschlossen wurden. In Ermangelung anderer Orte nutzten viele Männer Toiletten, ebenso wie öffentliche Parks, für schnelle, unverbindliche sexuelle Kontakte (auch „Cruising“ genannt). Die Homosexuellenfeindliche Stimmung der 1960er Jahre machte sie an diesen Orten zu Subjekten polizeilicher Überwachung, gegen die sich die Hammerschlagaktion im Endeffekt richtete.\nIm Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ von Rosa von Praunheim wird auch die Klappe genauer betrachtet:\nUm ein häufiges Missverständnis zu klären: Auch wenn die Spiegel auf der Toilette am Spielbudenplatz die ersten waren, die in der Nacht vom 29. auf den 30.06.1980 eingeschlagen wurden, entstand das Serienfoto des Hammerschlages, das wir aus den Medien kennen, erst einige Tage später am Jungfernstieg.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/04_haupteingang/","summary":"Station 4 – Die Klappe, Eintreten zum Austreten, Cruising","title":"Der Haupteingang der Klappe am Spielbudenplatz"},{"content":"· 21:00 Uhr · Kampnagel K4 · mit Saeleen Bouvar (Transtronica) · Eintritt frei ·\nSaeleen Bouvar ist Musikerin, DJ und Gründerin des TRANSTRONICA Festivals, dem weltweit ersten elektronischen Musikfestival mit ausschließlich trans Line-up. Als Initiatorin des Salon Queertronique prägt sie seit 2017 die queere Clubkultur Hamburgs. Ihre Sets verbinden historische Tiefe mit sinnlicher Intensität und bewegen sich zwischen Disco, Chicago House, Acid und Techno, als klangliche Erzählungen von trans Geschichte und Gegenwart. @saeleenbouvar\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/veranstaltungen/dj-set/","summary":"\u003cp\u003e· \u003cem\u003e21:00 Uhr · Kampnagel K4\u003c/em\u003e\n\u003cbr\u003e· mit \u003cem\u003eSaeleen Bouvar (Transtronica)\u003c/em\u003e\n\u003cbr\u003e· Eintritt frei ·\u003c/p\u003e\n\u003cimg src=\"/images/saeleen_bouvar.jpg\" alt=\"Saeleen Bouvar\" width=\"250\"\u003e\n\u003cp\u003e\u003cstrong\u003eSaeleen Bouvar\u003c/strong\u003e ist Musikerin, DJ und Gründerin des \u003ca href=\"https://www.transtronica.com/saeleen-bouvar\"\u003eTRANSTRONICA\u003c/a\u003e Festivals, dem weltweit ersten elektronischen Musikfestival mit ausschließlich trans Line-up. Als Initiatorin des Salon Queertronique prägt sie seit 2017 die queere Clubkultur Hamburgs. Ihre Sets verbinden historische Tiefe mit sinnlicher Intensität und bewegen sich zwischen Disco, Chicago House, Acid und Techno, als klangliche Erzählungen von trans Geschichte und Gegenwart.\n\u003ca href=\"https://www.instagram.com/saeleenbouvar/\"\u003e@saeleenbouvar\u003c/a\u003e\u003c/p\u003e","title":"DJ-Set"},{"content":"Am 2. Juli 1980 wurden die Spiegel auf der Herrentoilette Jungfernstieg, hinter denen sich Observationsräume befanden, medienwirksam zerschlagen. Vorher wurde im Rahmen einer Schwulen- und Lesben-Demo der Beweis erbracht, dass die Polizei Homosexellenkarteien führte und damit die Praxis der so genannten „Rosa Listen“ aus der Nazizeit weitergeführt, oder zumindest neu aufgenommen hatte.\nDer Ablauf der Ereignisse: Im Rahmen der ersten Hamburger „Gay Pride Week“ fand am 28.06.1980 die erste lesbisch-schwule Demonstration in der Hansestadt statt. Unter dem Slogan „10 Jahre Stone Wall – Gegen die Unterdrückung der Homosexuellen“ zogen 1500 Teilnehmende vom Hansaplatz aus durch die Innenstadt und endeten schließlich mit einem Picknick im Schanzenpark. Schon während der Demonstration fiel ein VW Bulli auf, der sich nun im Schanzenpark den Demonstrierenden näherte, aus dem heraus durch heruntergefahrene Scheiben fotografiert wurde. Zur Rede gestellt sagte der Fotograf - ein Polizist in Zivil - aus, die Fotos würden genutzt, um die Karteien aufzufrischen. Die dadurch aufgebrachten Demonstrierenden forderten die Herausgabe der Filme und blockierten den VW-Bus. Eine hinzugerufene Hundertschaft der Polizei löste die Demonstration unter Einsatz von Chemical Mace auf. Mehr zu diesem Moment erzählt Kai Reinecke im Augenzeugeninterview.\nUm der nun belegten Überwachungspraxis etwas entgegen zu setzen, schlugen anonyme Aktivist:innen in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni den ersten Überwachungsspiegel am Spielbudenplatz ein. Die Spiegelaktion wurde am 2. Juli in Anwesenheit der Presse wiederholt - Corny Littmann, offen schwuler Theatermacher und damaliger Spitzenkandidat der Hamburger Grünen für die Bundestagswahl 1980, bot sich als Gesicht der Aktion an, da er weniger Repressionen zu fürchten hatte als seine Genoss:innen.\nIn der Folge stellten Aktivist:innen unter dem Titel „Homosexuelle Bespitzelt“ die Dokumentation der Ereignisse samt Presseschau zusammen, die bei einer weiteren Demo mit mindesten 250 Demonstrierenden am 11. Juli in der Innenstadt öffentlich verteilt wurde. Ebenso wurde in Folge der Demonstration ein Rosa-Listen-Tribunal im Audimax der Uni Hamburg abgehalten.\nIn den Sitzgelegenheiten befinden sich Dokumente und Fotos der Demonstrationen und Dokumente über den Ablauf der Ereignisse.\nNeben dem zeitgeschichtlichen Kontext wollen wir in den nächsten Stationen auf weitere Voraussetzungen schauen, die zum Gelingen einer solchen Aktion beigetragen haben. ","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/05_von_demo_zu_demo/","summary":"Station 5 – Zwei Demos, Rosa Listen, und die Spiegel werden eingeschlagen","title":"Von Demo zu Demo"},{"content":"Das Café TucTuc in der Oelkersallee 5 wurde 1979 als kollektive Kneipe der zweiten deutschen Schwulenbewegung gegründet. Als selbstorganisierter Ort mit regelmäßigem Veranstaltungsprogramm war es ein wichtiger Treffpunkt für die Szene: viele Künstler:innen, unter ihnen so klingende Namen wie Rosa von Praunheim, Nina Hagen, Corny Littmann, Gunther Schmidt, Dieter Rita Scholl, Ernie Reinhardt und Felix Rexhausen, organisierten hier Lesungen, Filmscreenings, Konzerte, tauschten sich aus und konnten sich hier ausprobieren. Die monatliche Samstagsdisco, die im Wechsel mit der Frauenkneipe im TucTuc stattfand, war über die Stammkundschaft hinaus ein Magnet für interessante Menschen.\nIn der oberen Etage befand sich ein Besprechungszimmer, in dem sich politische Schwulengruppen wie die Gruppe „Schwusel“ oder die „HAH“ trafen. Die „Stonewall“-Demonstration vom 28.06.1980 sowie die Demonstrationen gegen die „Rosa Listen“ vom 11.07. sind wahrscheinlich hier geplant worden. Als politischer Ort hatte das TucTuc großen Einfluss auf die Neugründungen in den 1980er und 1990er Jahren; heutige Institutionen wie das mhc, das Café Gnosa und das Schmidt Theater sind einige davon. Trotz permanenter Geldnot und großer Fluktuation im Kollektiv gab es das TucTuc bis 1995.\nUlrich Würdemann schreibt in 2mecs.de über das TucTuc, dass es „das erste schwule Café ohne Klingel und abgedunkelte oder verdeckte Fenster, sondern frei einsehbar\u0026quot; war, und noch dazu „ein nicht-kommerzielles Lokal und über den Konsum und Spaß hinaus Raum für Politik und Experimente jeglicher Art.“ Im Interview bestätigt Corny Littmann den Charakter einer kreativen Spielwiese. Hier konnte ganz unkompliziert vieles einfach ausprobiert werden, wobei auch unfertige Sachen auf die Bühne kamen.\nAls Beispiel für einige im TucTuc gezeigten Theaterstücke sei hier der Sketch „Was ist Homosexualität (1981)“ der Gruppe »Transitiv« angeführt, bestehend aus Claus Plänkers, Rita Dieter Scholl und Ernie Reinhard. Ein weiteres Original-Video aus dem TucTuc ist die SR-Dokumentation „Leben wir unser Leben. Schwule und ihre Lieder“, in welcher die Mitglieder unterschiedlicher Theater- und Musikgruppen in der Hamburger Schwulenszene rund um das Café zu Wort kommen und auch über die Gründung des TucTuc sprechen.\nDass das TucTuc als utopischer Ort keineswegs ‚einfach so‘ existieren konnte, sondern in einem kollektiven Kraftakt nicht nur aus der Traufe gehoben und selbstbewusst gehalten werden musste, wird bei einem Blick auf feindliche Angriffe deutlich. Allein in den ersten vier Monaten wurde es mindestens fünf Mal von Banden überfallen, die von Augenzeugen als „Jugendliche“, „Rocker“ oder „Neo-Faschisten“ bezeichnet werden. Um sich gegen solche Überfälle zu schützen, wurde eine Telefon-Kette angelegt, die ein enges Unterstützer:innen-Netzwerk im Umfeld zeigt. ","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/06_das_tuctuc/","summary":"Station 6 – Schwule Kneipe, Ort für Kunst, Treffpunkt der Bewegungen","title":"Das TucTuc"},{"content":"Die Aktion der „Hamburger Spiegelaffäre“, für die das Zerschlagen der Überwachunggsspiegel inszeniert wurde, wäre nichts ohne ihre ästhetischen Vor- und Nachbilder. Äußerst klar wird der Einfluss anderer Bilder beim Blick darauf, wie die Serienfotografie vor gerastertem Hintergrund funktioniert:\nDie Serienfotografie der einzelnen Bewegungsphasen eines galoppierenden Pferdes des britisch-amerikanischen Fotografs Eadweard Muybridge ist uns heute noch immer im kollektiven Gedächtnis, wenn auch eher als animiertes GIF. Kaum zu glauben, dass es schon 1878, also 100 Jahre vor der Gründung des Café TucTuc, publizierte wurde. Muybridge arbeitete in Kalifornien und publizierte im Jahr 1901 den Bildband „The Human Figure in Motion, an Electro-Photographic Investigation of Consecutive Phases of Muscular Action“ mit 87 fotografisch festgehalten menschlichen Bewegungsabläufen, die eine forensische Nüchternheit kommunizieren. Wer an Leonardo da Vincis vitruvianischen Menschen denkt, liegt nicht falsch, da es auch hier darum geht, ein Idealbild herzustellen: Im Vorwort schreibt Muybridge\n“The great number of men were students or graduates […], each one of whom had well-earned record in the field selected for illustration. […] they are reproduced without the slightest attempt being made to improve them; and are presented with all their faults, precisely as taken in the camera.” („Die große Zahl der Männer waren Studenten oder Absolventen […], von denen jeder über eine wohlverdiente Auszeichnung auf dem jeweils für die Darstellung ausgewählten Gebiet verfügte. […] Sie werden ohne den geringsten Versuch wiedergegeben, sie zu verbessern, und mit all ihren Mängeln genau so präsentiert, wie sie von der Kamera aufgenommen wurden.“)\nDer Weg der Messung geht aber weniger von den Proportionen der Körperteile zueinander aus, sondern vielmehr vom Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung. Durch das visuelle Raster im Hintergrund wird die Bewegung des Menschen messbar, der Status als Repräsentant wird durch die gleichbleibende, oberflächliche Ordnung des Hintergrunds erst möglich. Der vermessene Mensch in Muybriges Bildern kommt jedoch nicht auf die Idee, gegen den Maßstab zu rebellieren und seinen Stein gegen das visuelle Raster im Hintergrund zu werfen. Dadurch würde er seinen Platz im Regime der Bilder verlassen und das Fundament seiner Existenz erschüttern. Auch die Toilette selbst ist aufgrund ihrer Bedeutung für einige Generationen schwuler Männer und queerer Menschen Thema künstlerischer Auseinandersetzung, wie Arbeiten von Pjotr Nathan („Das Versteck der Lust“) und Tony Just zeigen. Dem „Hammerschlag“ selbst hat das Künstlerduo Dümadissima in einem Diorama aus einer Mandarinenkiste mit dem Titel „Paulines Hammer“ ein Denkmal gesetzt, das inzwischen im Schwulen Museum in Berlin steht.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/07_die_transparenz_toilettenkabine/","summary":"Station 7 – ästhetische Vorbilder, künstlerische Nachbildungen, queere Kunst und Aktivismus","title":"Die Toilettenkabine der Transparenz"},{"content":"Exemplarisch für die künstlerischen Gruppen, die um 1980 in der Hamburger Schwulenszene aktiv waren, ist der Hamburger Tuntenchor. Gegründet wurde er von dem damals seit dem Coming-Out arbeitslosen Kirchenmusiker Gunther Schmidt. Der Chor feierte mit seinem hauseigenen Ballett »Alsterelsen« und der Untergruppe »Budaschwestern« insgesamt acht Auftritte in Hamburg und Berlin, so unter anderem beim Tunten- und Narzissenball am 21. April 1980 in der Hamburger Markthalle. Sie waren für die Umdichtung bekannter Pop-Songs und Schlager bekannt, die sie stets mit neuen, teils zotigen, teils politischen Texten gemeinschaftlich auf die Bühne brachten. Anlässlich des Spiegelskandals texteten sie Mike Krügers damals aktuellen Hit „Der Nippel“ auf den Spiegel um und präsentierten den »Hammersong« vor Publikum:\nEine wichtige Rolle für die Überlieferung kommt dem Fotografen Rüdiger Trautsch zu. Seine Publikation »Aus Liebe hat es kaum einer getan!« begleitet den offen schwulen Protagonisten Reinhold an verschiedenen Stationen seines Alltags und porträtiert unprätentiös das Leben eines ganz ‚normalen‘ Schwulen.\nRüdiger Trautschs Nachlass, inklusive vieler seiner Fotografien, die das schwule Leben Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre in Hamburg festhalten, ist inzwischen im Archiv des Schwulen Museums in Berlin für die Forschung zugänglich.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/08_die_tuntenchor_toilettenkabine/","summary":"Station 8 – ein Chor aus Tunten, umgedichtete Lieder, der Fotograf Rüdiger Trautsch","title":"Die Tuntenchor-Toilettenkabine"},{"content":"Bevor im Jahr 1969 der §175 StGB gelockert wurde und homosexuelles Begehren nicht länger per se strafbar war, mussten es sich seine eigenen Wege und Orte suchen: jenseits des Sichtbaren, im Schatten der Gesellschaft. Es waren die Ränder des urbanen Raums – Parks im Schutz der Nacht, öffentliche Toiletten, verlassene Hafenpiers, Industrieruinen –, in denen sich ein Begehren formierte, das in der Öffentlichkeit keinen Platz haben durfte und gerade dadurch eine eigene Form fand. Was als Verdrängung begann, wurde zur lebendigen Praxis: ein Wissen um die kleinen Gesten und Zeichen, versteckte Momente der Aufmerksamkeit, der Cruising-Codes. Durch Kunst, durch Körper, durch Ausdruck wurden diese Orte verwandelt. In der Aneignung entstand aus dem Verbotenen und der Zweckentfremdung eine eigene Lust, eine Widerständigkeit. Eine frühe Form dessen, was wir heute als queer joy lesen: hervorgebracht nicht trotz, sondern gerade aus der Erfahrung des Ausschlusses und der Marginalisierung.\nDiese Energie schreibt sich heute fort: sie pulsiert in der Clubkultur, in der dance culture, die Räume öffnet, wo zuvor keine waren. Die Geschichte ist hörbar in der Musik dieser Zeit – zum Beispiel hier im Set von Saeleen Bouvar in Anlehnung an das FRONT, einen der ersten schwulen Technoclubs Hamburgs. Sie wird auch in Zukunft hörbar sein, beispielsweise in der Musik einer weiterhin marginalisierten queeren Community, die beim Transtronica Festival auf Kampnagel erfahrbar wird.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/09_cabin_of_queer_joy/","summary":"Station 9 – translesbischwule Lebensfreude, Aborte, Habitate","title":"Disco Toilet of Queer Joy"},{"content":"Die Überwachung auf Hamburger Toiletten ist bereits nachweisbar seit August 1960, als das Bezirksamt die Kriminalpolizei aufforderte, an der langen Reihe auf homosexuelle Aktivitäten zu kontrollieren, mit der Begründung, es gehe um den Jugendschutz. Obwohl die Kriminalpolizei keine Aktivitäten an den Toiletten feststellte und auch keine Gefährdung der Jugend bezeugen konnte, wurde weiter überwacht. Es gibt Überwachungsprotokolle der Jugendschutzstaffel, die Bars und Treffpunkte sowie Toiletten kontrollierte. Aufgrund der Auffälligkeit der Beamten stellte sich die Überwachung der Toiletten als schwierig heraus, weshalb ab 1964 bestehende Toiletten mit Spionspiegeln mit Sicht auf die Pissoirs ausgestattet wurden, wie etwa am Spielbudenplatz oder am Großneumarkt. So konnten die Beamten unerkannt die Toilettennutzer überwachen und sich „auffällig“ verhaltende Nutzer kontrollieren und ihre Personalien aufnehmen. Ab 1966 wurden einige neu zu errichtende Toiletten - wie etwa am Jungfernstieg (U2) 1973, oder am Rathausmarkt (S-Bahn) 1974 - schon mit eingebauten Spiegeln und Observationskammern geplant. Insgesamt wurden bis 1975 zehn Herrentoiletten mit Spiegelanlagen ausgestattet. Gängige Praxis war es, den „auffälligen“ Nutzern bei einer Kontrolle eine Verwarnung auszusprechen, die insgesamt zehn Toilettenanlagen betraf. Falls er sich nochmals an einer der zehn angegebenen Toiletten „auffällig“ verhalten sollte und sie „zweckwidrig“ nutzen sollte, wurde er mit einem Hausverbot für ebenjene zehn Toiletten belegt. Im Falle eines weiteren „zweckwidrigen Aufenthaltes“ innerhalb einer der zehn Toilettenanlagen drohte eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Hausverbot. Erklärtes Ziel aller drei Eskalationsstufen der Verwarnungen und Verbote war die Abschreckung. Die Polizei vermerkt selbst in ihren Dokumenten, dass das „auffällige“ Verhalten nicht vermindert wurde, sondern sich allenfalls verlagerte. Ein weiteres Ziel, das aufgrund seiner Illegalität nicht offiziell vermerkt wurde, war die Erfassung der Personalien von Männern die Sex mit Männern hatten. Wie der Senat im Nachhinein bestätigte, wurden Namen, Adressen und Geburtsdaten der kontrollierten Männer in das Polizeiliche Informationssystem (POLAS) eingetragen, was auch als Führung einer Homosexuellenkartei bezeichnet werden konnte.\nDas Polizeidezernat Wandsbek diskutierte im Jahr 1975 ebenfalls über die Installation einer Spiegelanlage in der Toilettenanlage Wandsbek Markt, da viele Männer durch die Überwachung in der Innenstadt dorthin verdrängt wurden. Umgesetzt wurde der Einbau der Spiegel jedoch nicht. Auch Polizeibehörden anderer deutscher Großstädte waren an der Spiegelüberwachung interessiert, entschieden sich aber ebenso dagegen, weshalb die Überwachung in Hamburg–Mitte – in dieser Architektur gewordenen Form – ein Einzelfall ist.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/10_der_observationsraum/","summary":"Station 10 – die Überwachung schwuler Orte durch die Hamburger Polizei von 1960 bis 1980","title":"Der Observationsraum – Sichtbares"},{"content":"Corny Littmann zerschlägt relativ unspektakulär den Spiegel. Er erzählt es hier.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/notizen/der-spiegel/","summary":"\u003cp\u003eCorny Littmann zerschlägt relativ unspektakulär den Spiegel. Er erzählt es \u003ca href=\"https://www.spiegel.de/geschichte/corny-littmann-spricht-ueber-die-diskriminierung-von-homosexuellen-a-1087962.html\"\u003ehier\u003c/a\u003e.\u003c/p\u003e","title":"Der Spiegel"},{"content":"Das heute weit verbreitete Wissen um die Verfolgung homosexueller Männer im Nationalsozialismus wurde erst ab Mitte der 1970er Jahre anfänglich innerhalb der Schwulenbewegung und später auch in der allgemeinen Öffentlichkeit thematisiert.\nDas erste Programm der Theatergruppe \u0026ldquo;Brühwarm\u0026rdquo; aus dem Jahr 1976 enthielt eine Szene, in der diese Verfolgung thematisiert wurde. Die auch in der Hamburger Schwulenbewegung arbeitenden Autoren Hans-Georg Stümke und Rudi Finkler veröffentlichten 1981 die Monografie Rosa Winkel, Rosa Listen. Homosexuelle und »Gesundes Volksempfinden« von Auschwitz bis heute.\nAnlässlich der Aufführung des Stückes »Rosa Winkel« des amerikanischen Autors Martin Sherman im Theater der Stadt Essen berichtete das ARD Panorama im Dezember 1980 mit Zeitzeugenberichten über die Situation der Träger des Rosa Winkels in den Konzentrationslagern des NS.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/notizen/homosexuellealsopfergruppe/","summary":"\u003cp\u003eDas heute weit verbreitete Wissen um die Verfolgung homosexueller Männer im Nationalsozialismus wurde erst ab Mitte der 1970er Jahre anfänglich innerhalb der Schwulenbewegung und später auch in der allgemeinen Öffentlichkeit thematisiert.\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eDas erste Programm der Theatergruppe \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChwarm\"\u003e\u0026ldquo;Brühwarm\u0026rdquo;\u003c/a\u003e aus dem Jahr 1976 enthielt eine Szene, in der diese Verfolgung thematisiert wurde.\nDie auch in der Hamburger Schwulenbewegung arbeitenden Autoren\nHans-Georg Stümke und Rudi Finkler veröffentlichten 1981 die Monografie \u003ca href=\"https://archive.org/details/rosawinkelrosali0000stum/page/n7/mode/2up\"\u003eRosa Winkel, Rosa Listen.\nHomosexuelle und »Gesundes Volksempfinden« von Auschwitz bis heute.\u003c/a\u003e\u003c/p\u003e","title":"Homosexuelle als Opfergruppe im NS"},{"content":"Der Zeitzeuge Kai Reinecke erzählt im Interview von der Konfrontation zwischen der Polizei und Demonstrierenden im Schanzenpark im Anschluss an die „Stonewall“-Demonstration am 28. Juni 1980.\nAlso, das Ende der Demo war ja im Schanzenpark, es war feucht und kalt. Wir hatten alle Parka an, weil es feucht und kalt war und damals war Parka ja in, auch in der Schwulenszene, bei solchem Wetter. Und wir wussten nicht, wie wir picknicken sollten auf diesem nassen Gras vom Schanzenpark und wir stand da so irgendwie, ich weiß gar nicht, ob es irgendwas zu essen gab für Picknick. Ich habe keine Ahnung. Das habe ich nie mitgekriegt, das ist dann auch im Regen oder in dem Chaos untergegangen wahrscheinlich, weil es auch nicht gemütlich war. Und viele waren auch schon wieder gegangen. Und dann hatten wohl Leute diesen VW-Bus wieder entdeckt, der stand keine 40 – also ich kann das nicht genau sagen – ich würde mal sagen, keine 40 Meter von dem Platz, wo wir alle rumstanden und [diese Leute] hatten dann Corny angesprochen. Wen sprechen die Leute an: Corny. Ich weiß gar nicht, ob er mit zu den Organisatoren der Demo gehörte, das kann durchaus ja sein. Auf jeden Fall wurde er gefragt, ob er nicht die Filme rausrücken lassen kann. Also mal zu dem Bus gehen, weil der hat ja schon während der Demo immer fotografiert. Dann ist er da hingegangen, also soweit ich das mitgekriegt habe. Das habe ich, glaube ich, am Anfang nur so nebenbei mitgekriegt. Dann haben die im Bus, die beiden Polizisten, die haben dann sofort die Scheiben hochgekurbelt. Weil wegen des Regens wollten sie nicht durch die Tropfen auf den Scheiben fotografieren. Die haben ja weiter fotografiert. Und dann haben sie die Scheiben hochgekurbelt und auf Cornys nette – oder nicht so nette, er ist ja nicht immer nett – Frage, ob er die Filme haben kann, haben sie die Scheiben hochgekurbelt und nicht mehr reagiert und weiter fotografiert.\nUnd dann sind wir, also ich war bestimmt nicht einer der ersten, ich will mich da ja nicht in den Vordergrund rücken, aber ganz Viele gingen dann hin und ich auch und wir haben den Bus umstellt, wir haben ihnen mit Parkas die Fenster zu gehängt, damit die nicht mehr fotografieren können. Wir haben angefangen den Bus zu schaukeln und dann, das habe ich aber auch erst später mitgekriegt, die haben da drin viel Angst gehabt, weil die nicht wussten, was passiert. Sie konnten ja nichts mehr sehen. Und die linke Außerparlamentarische Opposition - wie hieß sie denn? Nicht APO, die ganz Schlimmen… Die RAF meine ich! Die RAF war ja noch nicht lange her. Und da gab es wahrscheinlich noch im Gedächtnis der Polizei irgendwelche Erinnerungen dran und die wussten nicht: Ist das jetzt so was? Oder was ist da, was passiert da? Und die haben sich nicht mehr getraut, irgendwas zu machen. Und Corny ist während der Zeit in der wir den Bus bearbeitet haben, ist Corny zu einem Vorgesetzten vorgedrungen, die aber alle verschwunden waren. Die Polizisten waren nicht mehr zu sehen, die waren hinter dem Hügel und [Corny] hat mit dem Vorgesetzten verhandelt und kam zurück und, so weit ich das weiß - ich weiß nicht ob man sich auf Corny immer verlassen kann, ist aber auch egal - sagte er, der Vorgesetzte, der Hundertschaftführer - vielleicht waren es auch nur fünfzig Leute, weiß ich nicht - hat versprochen die Filme rauszurücken.\nDann hatten wir inzwischen den Bus so weit bearbeitet, dass er viel flacher war, weil jemand hat die Luft aus den Reifen gelassen, jemand hat die Zündkabel hinten rausgeschraubt und eine Tunte mit Plateau-Schuhen, die waren damals auch so ein bisschen noch in, hat oben auf dem Dach getanzt und ich habe mir, ich bin ja eigentlich ein ganz Braver und nicht so Revoluzzer drauf, ich habe die Scheibenwischer verbogen. *lacht* Ich sag\u0026rsquo;s mal so, also ob das so ne große Tat gewesen wäre. Na auf jeden Fall kam dann diese Hundertschaft oder 50er Gruppe von Polizei mit Visier runter, Knüppel in der Hand und Schild in der anderen, kam über den Hügel, ging auf den Bus zu. Und was machen Schwule, also mindestens die Meisten: ziehen sich zurück, sind feige, nicht kampfbereit. So passierte es dann auch und fing die Polizei an, den Bus, wie ich ja behaupte fast auf dem längsten Weg, aus dem Park heraus zu schieben. Sie hätten ihn ja eigentlich auch runter, da zu dem ehemaligen Kieler Bahnhof schieben können, der wäre ja gleich unten gewesen. Nein, sie sind also quasi auf dem Weg Richtung Schulterstift, das ist gegenüber von dem Park hinter, also neben Schlump U-Bahnstation rechts, in die Richtung haben sie geschoben. Und kurz vorher gab es einen Weg der raus führte, da fast Richtung Schulterstift und links und rechts von dem Weg sind Büsche und das heißt, da wollten sie durch auf dem Weg. Und da hat jemand gesagt: \u0026ldquo;Komm, wir setzen uns alle auf den Weg!\u0026rdquo; Und dann sind einige Leute, zwei Reihen, ich glaube jeweils fünf oder sechs Leute, haben sich dann in zwei Reihen auf den Weg gesetzt. Und ich kam dann dazu und ich dachte immer: Ich setze mich nicht auf den Weg. Es ist nass, es ist kalt und außerdem fühle ich mich wehrlos, wenn ich sitze. Und ich habe mich dahinter gestellt. Und alle Anderen sind dann hinter uns gegangen.\nJa und dann kam die Polizei und die ging halt auch schon in ihrer Aufmachung vor dem Bus um dem Weg frei zu machen. Und das war eigentlich klar, wohin es geht und dann passierte es auch. Chemical Mace kannte ich nicht, aber sie haben halt mich geschubst. Also was sie mit den Leuten, die unten auf dem Weg saßen [gemacht haben], das habe ich dann schon gar nicht mehr mitgekriegt. Sie haben mich in die Büsche geschubst, irgendwie, und haben gleichzeitig mit chemical mace auf uns geschossen. Normalerweise durfte man, glaube ich, nicht aus so einem halben Meter Entfernung das benutzen – sie haben es halt gemacht. Junge, naive Polizisten, die einfach gemacht haben, weil ihnen nichts Besseres einfiel, keine Ahnung! Dann liegt man da in den Büschen - ich habe da auch nicht lange gelegen - und kann nichts mehr sehen, es brennt überall, das ist ja das gleiche, glaube ich, wie Tränengas von der Wirkung. Ich weiß gar nicht, ob es noch eine andere Wirkung hat. Ich weiß auch nicht, ob diese Distanz bei Tränengas eine andere ist, die die Polizei einhalten muss, als bei chemical mace. Ich glaube nach maximal zwei Jahren hat man dann chemical mace nicht mehr benutzt bei der Polizei. Ist egal, ich konnte nix mehr sehen und dann haben mich Leute aus den Büschen gezogen und haben die, die nichts mehr sehen konnten, zu der nächsten Kneipe in dem Sporthaus an der Ecke [gebracht], das ist eine Sportkneipe quasi. Das ist auch nicht Gemeinde-, sondern Vereinshaus, vom Sportbund oder sowas. Und in der Kneipe gab es Zitronen und damit konnte man die Wirkung des chemical mace wieder neutralisieren. Das hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert, dann konnte ich auch wieder was sehen und die anderen. Und dann habe ich auch viel mehr nicht mehr mitgekriegt, was dann passierte. Sie haben den Bus, das weiß ich aber noch, den haben sie bis auf die Straße und dann vorschriftsmäßig geparkt. *lacht* Also fahrbereit war er ja nicht.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/geschichte/kaireinecke_schanzenpark/","summary":"\u003cp\u003eDer Zeitzeuge Kai Reinecke erzählt im Interview von der Konfrontation zwischen der Polizei und Demonstrierenden im Schanzenpark im Anschluss an die „Stonewall“-Demonstration am 28. Juni 1980.\u003c/p\u003e\n\n  \u003caudio controls preload=\"auto\" src=\"/audio/260220_Kai_Reinecke_Stonewall_ChemicalMace_45kbps.mp3\"\u003e\u003c/audio\u003e\n\n\n\u003cblockquote\u003e\n\u003cp\u003eAlso, das Ende der Demo war ja im Schanzenpark, es war feucht und kalt. Wir hatten alle Parka an, weil es feucht und kalt war und damals war Parka ja in, auch in der Schwulenszene, bei solchem Wetter. Und wir wussten nicht, wie wir picknicken sollten auf diesem nassen Gras vom Schanzenpark und wir stand da so irgendwie, ich weiß gar nicht, ob es irgendwas zu essen gab für Picknick. Ich habe keine Ahnung. Das habe ich nie mitgekriegt, das ist dann auch im Regen oder in dem Chaos untergegangen wahrscheinlich, weil es auch nicht gemütlich war. Und viele waren auch schon wieder gegangen. Und dann hatten wohl Leute diesen VW-Bus wieder entdeckt, der stand keine 40 – also ich kann das nicht genau sagen – ich würde mal sagen, keine 40 Meter von dem Platz, wo wir alle rumstanden und [diese Leute] hatten dann Corny angesprochen. Wen sprechen die Leute an: Corny. Ich weiß gar nicht, ob er mit zu den Organisatoren der Demo gehörte, das kann durchaus ja sein. Auf jeden Fall wurde er gefragt, ob er nicht die Filme rausrücken lassen kann. Also mal zu dem Bus gehen, weil der hat ja schon während der Demo immer fotografiert. Dann ist er da hingegangen, also soweit ich das mitgekriegt habe. Das  habe ich, glaube ich, am Anfang nur so nebenbei mitgekriegt. Dann haben die im Bus, die beiden Polizisten, die haben dann sofort die Scheiben hochgekurbelt. Weil wegen des Regens wollten sie nicht durch die Tropfen auf den Scheiben fotografieren. Die haben ja weiter fotografiert. Und dann haben sie die Scheiben hochgekurbelt und auf Cornys nette – oder nicht so nette, er ist ja nicht immer nett – Frage, ob er die Filme haben kann, haben sie die Scheiben hochgekurbelt und nicht mehr reagiert und weiter fotografiert.\u003c/p\u003e","title":"Interview mit Kai Reinecke: Nach der Demonstration im Schanzenpark"},{"content":"Der britische schwule Exzentriker Quentin Crisp schreibt in seinem 1968 erschienenen Buch »The Naked Civil Servant» (im Jahr 1988 auf deutsch als „Crisperanto“ übersetzt) folgendes über den Polizeilockvogel in öffentlichen Toiletten:\nCW: rassistische Stereotype, I-Wort\nDas Hauptoperationsgebiet für diese besondere Strategie waren die schwach erleuchteten öffentlichen Toiletten in den weniger dicht besiedelten Gebieten Londons. Während ein Detektiv in normaler Kleidung mit wachsamer Gleichgültigkeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf und ab spazierte, stand sein Komplize, von den Vorgesetzten wegen seiner natürlichen und für diese Arbeit geeigneten Ausstattung ausgesucht, dort im Pissoir und ›ließ sehen‹ – er führte seinen Do-it-yourself-Apparat jedem vor, der zufällig hineinkam. (Man kann sich nicht vorstellen, wie ein Ausrüstungsappell, der ja vor jedem Antritt des Dienstes stattfinden müßte, aussehen würde.) Die Falle funktionierte gut, und viele der unglaublichsten Leute wurden auf diese Wiese in ihr Verderben gelockt. In jüngerer Zeit, wo jedermann diese Manöver kennt, sind sie außer Mode gekommen. Die allgemeine Kenntnis beraubt sie ihres Effektes. Sie beleidigen auch den sportlichen Instinkt des britischen Volkes. Man sieht sie als Trick an, wie wenn man ein Diamantenarmband auf den Bürgersteig legt und sich aus dem Hinterhalt auf jeden stürzt, der sich danach bückt. Beinahe ausschließlich traf es Grenzfälle. Diejenigen, deren Vorstellung von einem netten Abend darin bestand, von einem ›Herren‹ zum anderen zu wandern, lernten schnell, einen Bullen schon mit Blindenschrift zu erkennen. Personen, die nie von Homosexualität gehört hatten, aber deren natürliche Neugier von jeglicher Manifestation seltsamen menschlichen Verhaltens erregt wurde, waren durch diese Techniken der Polizei in einer solchen Gefahr. Auch wenn man eine gute Nacht erwischt hatte, führte die eine Frage an den Wachtmeister, was um alles in der Welt er da tue, mit Sicherheit zur Festnahme; war es eine schlechte, genügte ein kurzer Blick in seine Richtung. Das schlimmste Ergebnis des Lockvogelsystems war aber, daß bei einem so abkommandierten Polizisten, der zufällig nichts für Schwule übrig hatte, sich Abneigung schnellstens in wüstesten Haß verwandelte. Umgekehrt entwickelten Homosexuelle, die ursprünglich die Polizei fürchteten, was manche ja für eine gute Sache halten mögen, nun Verachtung für sie.\nAus der Sicht des Gesetzes war die einzige Schwäche des Lockvogelsystems die Tatsache, daß man zwei Wachtmeister brauchte, um einen Sexualdelinquenten zu fangen. Das war eine Verschwendung von Arbeitskraft. Die Polizei betrachtete Homosexuelle, wie die Indianer Nordamerikas den Bison. Sie zerbrachen sich den Kopf, wie man sie gleich in Herden ausrotten könnte. Mit Hilfe von Denunzianten fanden sei heraus, wo die großen Fummelbälle abgehalten wurden, und auf diese richteten sie ihre Aufmerksamkeit.\u0026quot;\n– Quentin Crisp: \u0026ldquo;Crisperanto\u0026rdquo;, Amman Verlag 1988, S.96f.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/notizen/polizeilockvogel/","summary":"\u003cp\u003eDer britische schwule Exzentriker \u003ca href=\"crisperanto.org\"\u003eQuentin Crisp\u003c/a\u003e schreibt in seinem 1968 erschienenen Buch »The Naked Civil Servant» (im Jahr 1988 auf deutsch als „Crisperanto“ übersetzt) folgendes über den Polizeilockvogel in öffentlichen Toiletten:\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003e\u003cem\u003eCW: rassistische Stereotype, I-Wort\u003c/em\u003e\u003c/p\u003e\n\u003cblockquote\u003e\n\u003cp\u003eDas Hauptoperationsgebiet für diese besondere Strategie waren die schwach erleuchteten öffentlichen Toiletten in den weniger dicht besiedelten Gebieten Londons. Während ein Detektiv in normaler Kleidung mit wachsamer Gleichgültigkeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf und ab spazierte, stand sein Komplize, von den Vorgesetzten wegen seiner natürlichen und für diese Arbeit geeigneten Ausstattung ausgesucht, dort im Pissoir und ›ließ sehen‹ – er führte seinen Do-it-yourself-Apparat jedem vor, der zufällig hineinkam. (Man kann sich nicht vorstellen, wie ein Ausrüstungsappell, der ja vor jedem Antritt des Dienstes stattfinden müßte, aussehen würde.) Die Falle funktionierte gut, und viele der unglaublichsten Leute wurden auf diese Wiese in ihr Verderben gelockt. In jüngerer Zeit, wo jedermann diese Manöver kennt, sind sie außer Mode gekommen. Die allgemeine Kenntnis beraubt sie ihres Effektes. Sie beleidigen auch den sportlichen Instinkt des britischen Volkes. Man sieht sie als Trick an, wie wenn man ein Diamantenarmband auf den Bürgersteig legt und sich aus dem Hinterhalt auf jeden stürzt, der sich danach bückt. Beinahe ausschließlich traf es Grenzfälle. Diejenigen, deren Vorstellung von einem netten Abend darin bestand, von einem ›Herren‹ zum anderen zu wandern, lernten schnell, einen Bullen schon mit Blindenschrift zu erkennen. Personen, die nie von Homosexualität gehört hatten, aber deren natürliche Neugier von jeglicher Manifestation seltsamen menschlichen Verhaltens erregt wurde, waren durch diese Techniken der Polizei in einer solchen Gefahr. Auch wenn man eine gute Nacht erwischt hatte, führte die eine Frage an den Wachtmeister, was um alles in der Welt er da tue, mit Sicherheit zur Festnahme; war es eine schlechte, genügte ein kurzer Blick in seine Richtung. Das schlimmste Ergebnis des \u003cmark\u003eLockvogelsystems\u003c/mark\u003e war aber, daß bei einem so abkommandierten Polizisten, der zufällig nichts für Schwule übrig hatte, sich Abneigung schnellstens in wüstesten Haß verwandelte. Umgekehrt entwickelten Homosexuelle, die ursprünglich die Polizei fürchteten, was manche ja für eine gute Sache halten mögen, nun Verachtung für sie.\u003c/p\u003e","title":"Polizeilockvögel in Quentin Crisps »The Naked Civil Servant« (1968)"},{"content":"Rüdiger Trautsch, der in den Jahren 1979 bis 1981 dem Café TucTuc sehr verbunden war, studierte zeitgleich Fotografie an der Hochschule für Bildende Künste. Für seine Abschlussarbeit »Aus Liebe hat es kaum einer getan!« inszeniert er Szenen aus dem Alltag eines gewöhnlichen Homosexuellen (Martin Dannecker und Reimut Reiche).\nDas großformatige Heft liegt schwer in der Hand; mit viel Weißraum und bewusst ausgewogener Platzierung von Text und Bild gibt Trautsch seinem Protagonisten Reinhold, einem Schaufensterdekorateur mittleren Alters, den nötigen Platz um mit Make-Up über die IGA zu schlendern, Besuch von der Tante zu bekommen, durch Parks und Klappen zu cruisen und im großen Abendkleid durch das Nachtleben zu tänzeln. Ein berührendes Portrait.\nDie Publikation erschien 1981 im material-Verlag der HFBK Hamburg. Einen guten Einblick in Trauschts Arbeit gibt das anlässlich einer Retrospektive 2023 entstandene Zine mit einem Essay von Peter Rehberg.\nMir schwebte angesichts der Tatsache, daß Reinhold sein Schwulsein scheinbar so problemlos öffentlich machen konnte, ein Musterbericht homosexueller Emanzipation vor, der als Foto-Text-Dokumentation den schwulen Aktionsgruppen zur Diskussion dienen sollte. Über ein Jahr habe ich mit Reinhold Fotos und Interviews gemacht und so aus unmittelbarer Nähe ein ganz anderes Bild erhalten - Bilder, die selbst dann noch Verzweiflung zeigen, wenn ein lustvoller Ausbruch aus verinnerlichter Bürgermoral versucht wird, der doch nur in der Sackgasse endet.\n– Rüdiger Trautsch\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/notizen/ausliebe/","summary":"\u003cp\u003eRüdiger Trautsch, der in den Jahren 1979 bis 1981  dem \u003ca href=\"/de/tour/06_das_tuctuc/\"\u003eCafé TucTuc\u003c/a\u003e sehr verbunden war, studierte zeitgleich Fotografie an der Hochschule für Bildende Künste. Für seine Abschlussarbeit »Aus Liebe hat es kaum einer getan!« inszeniert er Szenen aus dem Alltag eines \u003ca href=\"https://jungle.world/artikel/2024/21/50-jahre-studie-der-gewoehnliche-homosexuelle-zwischen-subkultur-und-normalitaet\"\u003egewöhnlichen\u003c/a\u003e \u003ca href=\"https://www.queer.de/detail.php?article_id=49924\"\u003eHomosexuellen\u003c/a\u003e (Martin Dannecker und Reimut Reiche).\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eDas großformatige Heft liegt schwer in der Hand; mit viel Weißraum und bewusst ausgewogener Platzierung von Text und Bild gibt Trautsch seinem Protagonisten Reinhold, einem Schaufensterdekorateur mittleren Alters, den nötigen Platz um mit Make-Up über die IGA zu schlendern, Besuch von der Tante zu bekommen, durch Parks und Klappen zu cruisen und im großen Abendkleid durch das Nachtleben zu tänzeln. Ein berührendes Portrait.\u003c/p\u003e","title":"Rüdiger Trautsch »Aus Liebe hat es kaum einer getan!«"},{"content":"Im Film Gefängnisbilder von 2001 zeigt Harun Farocki Ausschnitte aus Jean Genets Film \u0026ldquo;Un Chant d\u0026rsquo;Amour\u0026rdquo; (1950), bei denen ein Gefängniswärter eine voyeuristische Schaulust an der Masturbation, \u0026ldquo;dem Liebesleben\u0026rdquo;, der Gefangenen entwickelt.\nDas Gefängnis ist ein Ort der Verbote, und also der Geheimnisse und Übertretungen, zumindest der erhofften und phantasierten. – Harun Farocki, \u0026raquo;Gefängnisbilder\u0026laquo;, DE 2000, Min. 08:05\nDer Filmemacher Farocki stellt den Ausschnitten dokumentarische Bilder aus US-amerikanischen Gefängnissen entgegen, in denen Gefangene versuchen, die durchsichtigen Gittertüren der Zellen mit ihren Matratzen abzudecken, um so etwas wie Privatsphäre herzustellen. Diese Versuche werden regelmäßig gewaltsam mit Reizgas/Tränengas und physischer Gewalt beendet.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/notizen/gef%C3%A4ngnisbilder/","summary":"\u003cp\u003eIm Film \u003ca href=\"https://archiv.harun-farocki-institut.org/de/werke/film/gefaengnisbilder/\"\u003eGefängnisbilder\u003c/a\u003e von 2001 zeigt Harun Farocki \u003ca href=\"https://youtu.be/WMl10bafpWQ?si=q_dd7qClM-1APJpd\u0026amp;t=435\"\u003eAusschnitte\u003c/a\u003e aus Jean Genets Film \u003ca href=\"https://www.openculture.com/2013/12/jean-genets-a-song-of-love.html\"\u003e\u0026ldquo;Un Chant d\u0026rsquo;Amour\u0026rdquo;\u003c/a\u003e (1950), bei denen ein Gefängniswärter eine voyeuristische Schaulust an der Masturbation, \u0026ldquo;dem Liebesleben\u0026rdquo;, der Gefangenen entwickelt.\u003c/p\u003e\n\u003cblockquote\u003e\n\u003cp\u003eDas Gefängnis ist ein Ort der Verbote, und also der Geheimnisse und Übertretungen, zumindest der erhofften und phantasierten. \u003cbr\u003e\n– Harun Farocki, \u0026raquo;Gefängnisbilder\u0026laquo;, DE 2000, Min. 08:05\u003c/p\u003e\n\u003c/blockquote\u003e\n\u003ciframe src=\"https://archive.org/embed/gefangnisbilder?start=436\" width=\"560\" height=\"384\" frameborder=\"0\" webkitallowfullscreen=\"true\" mozallowfullscreen=\"true\" allowfullscreen=\"\"\u003e\u003c/iframe\u003e\n\u003cp\u003eDer Filmemacher Farocki stellt den Ausschnitten dokumentarische Bilder aus US-amerikanischen Gefängnissen entgegen, in denen Gefangene versuchen, die durchsichtigen Gittertüren der Zellen mit ihren Matratzen abzudecken, um so etwas wie Privatsphäre herzustellen. Diese Versuche werden regelmäßig gewaltsam mit \u003ca href=\"/de/geschichte/chemical_mace/\"\u003eReizgas/Tränengas\u003c/a\u003e und physischer Gewalt beendet.\u003c/p\u003e","title":"Schaulust in Harun Farockis »Gefängnisbilder«"},{"content":"Der Titel des Filmes „Tearoom” des Filmemachers William E. Jones spielt mit dem Begriff Tearoom - der im slang einen Ort für schnellen Sex bezeichnet.\nIm Jahr 1962 drehte die Polizei der Stadt Mansfield, Ohio, ein Lehrvideo, in dem sie ihre Art der Verfolgung homosexueller Männer dokumentierte. Die Tür eines Putzraumes der öffentlichen Herrentoilette wurde mit einem Einwegspiegel ausgestattet, sodass ein Beamter mit einer 16mm-Filmkamera von dort aus unerkannt die Männer, die sich dort zum Sex trafen, überwachen und filmen konnte. Das Filmmaterial wurde anschließend vor Gericht als Beweismittel verwendet, wodurch alle angeklagten Männer als schuldig verurteilt wurden und mindestens ein Jahr im Gefängnis verbrachten. An den überlieferten Aufnahmen ist auffällig, dass einige Gesichter aus dem Filmmaterial herausgebrannt und so unkenntlich gemacht wurden. Der Künstler vermutet, dass es sich bei diesen Menschen um Polizeibeamte gehandelt haben könnte, die von ihren Kolleg:innen gedeckt wurden. Im Jahr 2008 veröffentlichte William E. Jones diesen Lehrfilm ungekürzt – als radikales Beispiel dafür, einen Film ‚as found‘ zu nutzen – und macht einerseits damit die Überwachungspraxis der Polizei in den 1960er Jahren sichtbar, zeigt andererseits aber auch die Veränderung und damit auch die Veränderbarkeit des Diskurses in den letzten 50 Jahren auf.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/notizen/tearoom/","summary":"\u003cp\u003eDer Titel des Filmes \u003ca href=\"https://www.williamejones.com/portfolio/tearoom\"\u003e„Tearoom”\u003c/a\u003e des Filmemachers William E. 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Der Künstler vermutet, dass es sich bei diesen Menschen um Polizeibeamte gehandelt haben könnte, die von ihren Kolleg:innen gedeckt wurden. Im Jahr 2008 veröffentlichte William E. Jones diesen Lehrfilm ungekürzt – als radikales Beispiel dafür, einen Film ‚as found‘ zu nutzen – und macht einerseits damit die Überwachungspraxis der Polizei in den 1960er Jahren sichtbar, zeigt andererseits aber auch die Veränderung und damit auch die Veränderbarkeit des Diskurses in den letzten 50 Jahren auf.\u003c/p\u003e","title":"William E. Jones »Tearoom«"},{"content":"Was nicht sichtbar gemacht werden kann sind die konkreten Dokumente, welche die Registrierung von Männern die Sex mit Männern haben in Hamburg belegen. Diese „Rosa Listen“, also Listen mit Namen, Meldeadressen und Geburtsdaten der kontrollierten Männer, liegen zwar im Hamburgischen Staatsarchiv, sind aber aufgrund der Schutzfristen für persönliche Angaben der Betroffenen bis ins Jahr 2040 gesperrt. Dies betrifft die Akten mit der folgenden Signatur: 441-2 (Amt für Bezirksverwaltung), 523 Aktenzeichen 646.90-1/1\nEbenso wenig kann die Sicht der Überwachenden in diesem Raum erscheinen. Im Rahmen der Recherche zu diesem Ausstellungsprojekt wurde in Kooperation mit dem Queer History Month Hamburg versucht ein Interview mit einer Person zu führen, die der Überwachung in den 1970er Jahren in den Reihen der Polizei dienstlich zugearbeitet hat. Die Polizeibehörde wurde auf das geplante Interview aufmerksam und intervenierte: Der ehemalige Dienstherr untersagte das Interview.\nUm diese Fehlstelle zu markieren, zeigen wir den Film „Tearoom” des Filmemachers William E.Jones. Im Jahr 1962 drehte die Polizei der Stadt Mansfield, Ohio, ein Lehrvideo, in dem sie ihre Art der Verfolgung homosexueller Männer dokumentierte. Die Tür eines Putzraumes der öffentlichen Herrentoilette wurde mit einem Einwegspiegel ausgestattet, sodass ein Beamter mit einer 16mm-Filmkamera von dort aus unerkannt die Männer, die sich dort zum Sex trafen, überwachen und filmen konnte. Das Filmmaterial wurde anschließend vor Gericht als Beweismittel verwendet, wodurch alle angeklagten Männer als schuldig verurteilt wurden und mindestens ein Jahr im Gefängnis verbrachten. An den überlieferten Aufnahmen ist auffällig, dass einige Gesichter aus dem Filmmaterial herausgebrannt und so unkenntlich gemacht wurden. Der Künstler vermutet, dass es sich bei diesen Menschen um Polizeibeamte gehandelt haben könnte, die von ihren Kolleg:innen gedeckt wurden. Im Jahr 2008 veröffentlichte William E. Jones diesen Lehrfilm ungekürzt – als radikales Beispiel dafür, einen Film “as found” zu nutzen – und macht einerseits damit die Überwachungspraxis der Polizei in den 1960er Jahren sichtbar, zeigt andererseits aber auch die Veränderung und damit auch die Veränderbarkeit des Diskurses in den letzten 50 Jahren auf.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/11_das_verborgene_im_observationsraum/","summary":"Station 11 – Fehlstellen, Lücken, Täterblicke","title":"Der Observationsraum – Unsichtbares"},{"content":"Vielleicht bleibt am Ende dieser Tour in die Geschichte der Überwachung, der Überwacher:innen und der Überwachten nur noch, es mit poetischen Worten zu fassen: Im Sommer 1980 sind Vergangenheiten und Zukünfte aus dem Verborgenen an die Öffentlichkeit gekommen. Genau so wie das Thema „Überwachung“ aus dem Dunkeln ans Licht trat, schreiten wir hinaus aus den Katakomben des Toilettenraumes, in dem sich schwuler Sex und seine Überwachung bis 1980 befunden hatten, hinauf auf das Straßenniveau. Hier, am Tageslicht und in der Öffentlichkeit, können wir miteinander über das Gesehene sprechen, können diskutieren, können versuchen, die Brüche und Veränderungen der letzten Jahrzehnte nachzuspüren, können uns vornehmen, den Schmerz und auch die Freude zu teilen.\nFragt sich:\nWas ist durch das Einschlagen der Spiegel sichtbar geworden? Was ist im Verborgenen geblieben? Und auch: Welche Gefühle und Momente mussten beim Übertritt in die Öffentlichkeit verdeckt werden? Mit Blick auf das Heute stellen sich die Fragen, wer im Hier und Jetzt von ähnlichen Systemen der Kontrolle durch Polizei und Gesellschaft betroffen ist. Welche Menschen werden regelmäßig an Bahnhöfen kontrolliert? Wem wird dadurch gezeigt, dass er:sie sich nicht frei bewegen darf, sondern den „Zweck“ der Räume nicht erfüllt? Wer wird aufgrund von zugeschriebenen Merkmalen „anders“ oder „besonders“ behandelt? Welche Konsequenzen hat dieses „in den Blick geraten“ für den Alltag?\nWer sich für die Fragen interessiert, was die Bedingungen für die Sichtbarwerdung in jetzigen öffentlichen Räumen wie Social Media sind, wird sich über das »SPIEGEL PANEL« am Samstag, den 18.04.26 um 14:00 Uhr, mit Shahrzad Golab, Dr. Vera Klocke, und Luna Möbius freuen. Moderiert von René Scharr teilt die Journalistin Schahrzad Golab die Erkenntnisse ihrer Recherchen zu Palantir und technischer Überwachung heute, Vera Klocke wird über ihre Forschung zu Strategien der Inszenierung auf TikTok reden und die aktivistische Content-Creatorin Luna Möbius wird aus dem Maschinenraum der Bildnutzung auf Social Media erzählen.\nIm Workshop »MEME THE PAIN AWAY« mit der Wiener Ibiza-Meme-Creatorin Anahita Neghabat wird es sich gemütlich gemacht, um in entspannter Atmosphäre empowernde Memes zu spinnen und mit kreativen Fingerspitzen die Screens zu kitzeln.\nDas »HAMMER PANEL« am Samstag den 18.04. um 19:00 Uhr mit Lie Ning, Miriam Coretta Schulte, und Frederik Busch bringt die Kunst und den Aktivismus auf die Bretter die den Abort bedeuten. Moderiert von Dixi Glow spricht Lie Ning über die Reise als QTBIPoC Künstler:in und darüber, was es bedeutet, den Aktivismus quasi in den Schoß gelegt zu bekommen, Miriam Coretta Schulte berichtet von ihrer Recherche zu Kontinuität von Polizeigewalt in Namibia seit der deutschen Kolonie, Frederik Busch zeigt, wie sich in seiner künstlerischen Biographie der Blick auf das Soziale zu einer Praxis des sozialen Raumes gewandelt hat.\nFür den schwungvollen Ausklang des Diskurstages lädt Saeleen Bouvar, Gründerin des legendären TRANSTRONICA Festivals, am Samstag Abend 18.04. bei einem exklusiven DJ-Set in der Ausstellung dazu ein, die Körper auf diesem Fiebertraum einer öffentlichen Toilette in Bewegung zu bringen.\nDas Team verbeugt sich und findet gemeinsam „das Glück in der Toilette“.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/tour/12_zurueck_auf_die_strasze/","summary":"Station 12 – zurück ins Heute, zurück in die Öffentlichkeit","title":"„Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen“"},{"content":"In der Großen Anfrage der Abgeordneten Oesterle-Schwerin, Frau Schmidt-Bott aus der Fraktion DIE GRÜNEN wird der Begriff Rosa Listen wir folgt definiert:\nRosa Listen sind Dateien, Karteien, Akten oder sonstige Aufzeich- nungen, die Hinweise auf die homosexuelle Orientierung von Personen enthalten. Hierzu ist es nicht unbedingt erforderlich, daß bei größeren Datenbeständen die sexuelle Orientierung ein eigenes Suchkriterium ist. Wichtig ist allein die Möglichkeit, daß durch eine Auswertung der Datenbestände bestimmter Aufzeichnungsformen Listen von homosexuellen Personen gewonnen werden könnten.\nIm Dokument werden die wichtigen Aspekte der Verfolgung und Registrierung homosexueller Menschen zusammengefasst. Der Volltext ist hier zu finden.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19880624_grosse_anfrage/","summary":"\u003cp\u003eIn der Großen Anfrage der Abgeordneten Oesterle-Schwerin, Frau Schmidt-Bott aus der Fraktion DIE GRÜNEN wird der Begriff \u003cstrong\u003eRosa Listen\u003c/strong\u003e wir folgt definiert:\u003c/p\u003e\n\u003cblockquote\u003e\n\u003cp\u003eRosa Listen sind Dateien, Karteien, Akten oder sonstige Aufzeich-\nnungen, die Hinweise auf die homosexuelle Orientierung von\nPersonen enthalten. Hierzu ist es nicht unbedingt erforderlich, daß\nbei größeren Datenbeständen die sexuelle Orientierung ein eigenes Suchkriterium ist. Wichtig ist allein die Möglichkeit, daß\ndurch eine Auswertung der Datenbestände bestimmter Aufzeichnungsformen Listen von homosexuellen Personen gewonnen werden könnten.\u003c/p\u003e","title":"Große Anfrage – Rosa Listen"},{"content":"Der Autor Felix Rexhausen veröffentlicht in seinem Sammelband \u0026ldquo;Die Märchenklappe\u0026rdquo; den Text \u0026ldquo;Dienstlich Unterwegs\u0026rdquo;, in dem er die Gedankengänge eines fiktiven Polizisten verschriftlicht, der auf der Klappe am Spielbudenplatz Homosexuelle observieren soll. Im Gegensatz zu seinem desinteressierten Kollegen scheint er eine voyeuristische Schaulust an der \u0026ldquo;Aussicht auf Pissburg\u0026rdquo; (S. 64) zu haben: \u0026ldquo;Heute ist es irre langweilig hier. Klar, immer noch besser, als bei dem Wetter draußen rumrennen oder im Peterwagen. Aber sonst fand ich\u0026rsquo;s irgendwie netter, geh immer ganz gern her.\u0026rdquo; (S. 65)\nDer Satire stellt Rexhausen ein Gedicht voran:\nHinter Spiegeln,\ndurchschau-klaren,\nin Pissoiren,\nöffentlichen,\nsaßen, sitzen\nda und dort mal\nPolizisten\num den Fortfall\nrechter Sitten\nzu gewahren\nund dann mitten\nreinzufahren\nund die Sittlichkeit zu schützen.\n– Felix Rexhausen: “Dienstlich Unterwegs” 1982\nQueer.de zufolge ähnelt der Inhalt der Satire dem Theaterstück \u0026ldquo;Der zufällige Tod des Christian K.” des Regisseurs Ulrich Waller, das im Dezember 1980 im Malersaal seine Premiere hatte. Dort wird die Situation der Polizisten folgendermaßen beschrieben:\nZu ihren Berufspflichten gehört es, die Männer auf der anderen Seite des Spiegels genau zu beobachten: Schüttelt jener Herr nur ab oder wichst er schon? Einmal sagt der Polizist zu seinem die “Bild”-Zeitung lesenden Kollegen: “Als ob’s nicht wichtigere Sachen zu tun gäbe für Leute wie uns! Ob diese schwulen Säue sich nun hier begrabbeln oder anderswo, ist doch scheißegal, machen tun sie’s ja doch.”\nMan hat fast Mitleid mit den Polizisten, aber diese Satire zielt nicht auf Empathie für die Ordnungshüter, sondern verweist darauf, dass etwas nicht in Ordnung ist mit diesem Rechtsstaat.\nFelix Rexhausen (1982): Dienstlich Unterwegs. In: Ders.: Die Märchenklappe. Allerlei Zwischenmännlichkeiten. Verlag Rosa Winkel, Berlin: 1982, S. 64-67. (CW: N-Wort, Rassismus) ","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/notizen/dienstlich_unterwegs/","summary":"\u003cp\u003eDer Autor Felix Rexhausen veröffentlicht in seinem Sammelband \u0026ldquo;Die Märchenklappe\u0026rdquo; den Text \u0026ldquo;Dienstlich Unterwegs\u0026rdquo;, in dem er die Gedankengänge eines fiktiven Polizisten verschriftlicht, der auf der Klappe am Spielbudenplatz Homosexuelle observieren soll. Im Gegensatz zu seinem desinteressierten Kollegen scheint er eine voyeuristische Schaulust an der \u0026ldquo;Aussicht auf Pissburg\u0026rdquo; (S. 64) zu haben: \u0026ldquo;Heute ist es irre langweilig hier. Klar, immer noch besser, als bei dem Wetter draußen rumrennen oder im Peterwagen. Aber sonst fand ich\u0026rsquo;s irgendwie netter, geh immer ganz gern her.\u0026rdquo; (S. 65)\u003c/p\u003e","title":"Felix Rexhausens »Dienstlich Unterwegs« (Männerschwarm)"},{"content":"queer.de schreibt darüber:\nDie \u0026ldquo;Peepshow für Bullen\u0026rdquo; als Theaterstück im Hamburger Schauspielhaus Der Skandal beeinflusste nicht nur das gesellschaftspolitische Bewusstsein, sondern regte auch die Kreativität an. Schon im Dezember 1980 wurden die Ereignisse in einem Theaterstück aufgegriffen. In \u0026ldquo;Der zufällige Tod des Christian K.\u0026rdquo; setzte sich der Regisseur Ulrich Waller in 20 kurzen Szenen kritisch mit der Macht von Polizisten auseinander. Sie werden hier \u0026ldquo;der Dummheit und der Kriminalität überführt; ihre Perversionen der Lächerlichkeit preisgegeben\u0026rdquo; (\u0026ldquo;Du \u0026amp; Ich\u0026rdquo;, März 1981, S. 48). Bei allen Szenen orientierte sich Waller an realen Geschehnissen, die er satirisch überspitzt darstellte.\nIn der kurzen Szene \u0026ldquo;Peepshow für Bullen\u0026rdquo; geht es um die Polizisten Oskar und Heinz, die seit 16 Jahren hinter Hamburger Toilettenspiegeln sitzen und Homo­sexuelle observieren. Das Stück wurde im \u0026ldquo;Malersaal\u0026rdquo; des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg aufgeführt, der als Probe- und Experimentierbühne und dafür bekannt ist, dass hier die \u0026ldquo;ungewöhnlicheren und mutigeren Stücke\u0026rdquo; zu sehen sind.\nAls satirische Reflexion aus der Sicht von fiktiven Polizisten ähnelt diese Theaterszene Felix Rexhausens Satire \u0026ldquo;Dienstlich unterwegs\u0026rdquo; (abgedruckt in seinem Buch \u0026ldquo;Die Märchenklappe\u0026rdquo;, 1982, S. 63-67), die aus einem fiktiven Monolog eines Polizisten besteht, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dienst versieht. Zu ihren Berufspflichten gehört es, die Männer auf der anderen Seite des Spiegels genau zu beobachten: Schüttelt jener Herr nur ab oder wichst er schon? Einmal sagt der Polizist zu seinem die \u0026ldquo;Bild\u0026rdquo;-Zeitung lesenden Kollegen: \u0026ldquo;Als ob\u0026rsquo;s nicht wichtigere Sachen zu tun gäbe für Leute wie uns! Ob diese schwulen Säue sich nun hier begrabbeln oder anderswo, ist doch scheißegal, machen tun sie\u0026rsquo;s ja doch.\u0026rdquo;\nMan hat fast Mitleid mit den Polizisten, aber diese Satire zielt nicht auf Empathie für die Ordnungshüter, sondern verweist darauf, dass etwas nicht in Ordnung ist mit diesem Rechtsstaat.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/geschichte/theaterst%C3%BCck-im-malersaal/","summary":"\u003cp\u003e\u003ca href=\"https://www.queer.de/detail.php?article_id=36465\"\u003equeer.de\u003c/a\u003e schreibt darüber:\u003c/p\u003e\n\u003cblockquote\u003e\n\u003ch3 id=\"die-peepshow-für-bullen-als-theaterstück-im-hamburger-schauspielhaus\"\u003eDie \u0026ldquo;Peepshow für Bullen\u0026rdquo; als Theaterstück im Hamburger Schauspielhaus\u003c/h3\u003e\n\u003cp\u003eDer Skandal beeinflusste nicht nur das gesellschaftspolitische Bewusstsein, sondern regte auch die Kreativität an. Schon im Dezember 1980 wurden die Ereignisse in einem Theaterstück aufgegriffen. In \u0026ldquo;Der zufällige Tod des Christian K.\u0026rdquo; setzte sich der Regisseur Ulrich Waller in 20 kurzen Szenen kritisch mit der Macht von Polizisten auseinander. Sie werden hier \u0026ldquo;der Dummheit und der Kriminalität überführt; ihre Perversionen der Lächerlichkeit preisgegeben\u0026rdquo; (\u0026ldquo;Du \u0026amp; Ich\u0026rdquo;, März 1981, S. 48). Bei allen Szenen orientierte sich Waller an realen Geschehnissen, die er satirisch überspitzt darstellte.\u003c/p\u003e","title":" Ulrich Waller »Der zufällige Tod des Christian K« (Malersaal)"},{"content":"Der Spiegel berichtet in der Ausgabe 29/1980:\nAls bislang wirksamste Waffe in diesem Kampf -für Littmann »ein Akt der Selbstbefreiung« \u0026ndash; diente ihm ein kurzstieliger, dicker Hammer.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19800713_spiegel/","summary":"\u003cp\u003e\u003ca href=\"https://www.spiegel.de/politik/dicker-hammer-a-c486aefb-0002-0001-0000-000014331869?context=issue\"\u003eDer Spiegel\u003c/a\u003e berichtet in der Ausgabe 29/1980:\u003c/p\u003e\n\u003cblockquote\u003e\n\u003cp\u003eAls bislang wirksamste Waffe in diesem Kampf -für Littmann »ein Akt der Selbstbefreiung« \u0026ndash; diente ihm ein kurzstieliger, dicker Hammer.\u003c/p\u003e\n\u003c/blockquote\u003e","title":"Der Spiegel 29/1980"},{"content":"Anlässlich der Demonstration gegen die Rosa Listen am 11.07.1980 stellen die schwulenbewegten Aktivist:innen eine Dokumentation über den Ablauf der Ereignisse aus ihrer Sicht, sowie eine Presseschau zusammen. Die Broschüre mit dem Titel „Homosexuelle bespitzelt“ ist hier(58MB) einsehbar.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19800711_selbstdokumentation_homosexuelle_bespitzelt/","summary":"\u003cp\u003eAnlässlich der \u003ca href=\"/de/tour/05_von_demo_zu_demo/\"\u003eDemonstration gegen die Rosa Listen\u003c/a\u003e am 11.07.1980 stellen die schwulenbewegten Aktivist:innen eine Dokumentation über den Ablauf der Ereignisse aus ihrer Sicht, sowie eine Presseschau zusammen. Die Broschüre mit dem Titel „Homosexuelle bespitzelt“ ist \u003ca href=\"/Homosexuelle_bespitzelt.pdf\"\u003ehier\u003c/a\u003e(58MB) einsehbar.\u003c/p\u003e","title":"Selbstdokumentation Homosexuelle Bespitzelt"},{"content":"Das Hamburger Abendblatt berichtet.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19800710_abendblatt/","summary":"\u003cp\u003eDas Hamburger Abendblatt berichtet.\u003c/p\u003e","title":"Hamburger Abendblatt 10.07.1980"},{"content":"Die Hamburger Morgenpost berichtet.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19800704_morgenpost/","summary":"\u003cp\u003eDie Hamburger Morgenpost berichtet.\u003c/p\u003e","title":"Hamburger Morgenpost 04.07.1980"},{"content":"Der §175 StGB kriminalisierte seit 1871 sexuelle Handlungen zwischen Männern* und wurde insbesondere nach seiner Verschärfung durch die Nationalsozialisten 1935 zur Verfolgung von Homosexuellen genutzt. Nach jahrelanger Lobby-Arbeit durch die Homophilen-Bewegung wurde er in der Bundesrepublik zum 1. September 1969 entschärft. Eine zweite Reform folgte im Jahr 1973. Seitdem waren sexuelle Handlungen mit männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren strafbar, wogegen das Schutzalter bei lesbischen und heterosexuellen Handlungen bei 14 Jahren lag. Erst am 10. Juni 1994 wurde der §175 komplett aus dem StGB gestrichen; die in seinem Namen gefällten Urteile wurden sogar erst 2017 großteils aufgehoben.\nDurch die erste Reform 1969 konnten legal homosexuelle Zeitschriften und Magazine gegründet, sowie offen schwule Läden und Geschäfte eröffnet werden. Die dadurch entstehende Infrastruktur war eine wichtige Grundlage für queere Netzwerke, und auch den Aktivismus der Zweiten Deutschen Schwulenbewegung.\nMico Kaletta, Wirt des schwulen Lokals Vulkan in Hannover beschreibt den Abend der Entschärfung wie folgt:\n„Wir konnten es kaum erwarten, dass man sich ohne Strafe umarmen und küssen konnte. Wir haben das Datum aufgegriffen und eine Feier angesetzt und spendierten zwei Fässer Freibier. Um 19 Uhr öffneten wir das Lokal und um 19.10 Uhr hätten wir eigentlich Türstehen haben müssen, so viele Schwule waren gekommen. Wir feierten auch auf dem Bürgersteig. Unser Hauswirt, Herr Blum, der damalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hannover, gratulierte uns und gab uns grünes Licht für den Lärm. Wir waren alle in einem Freudentaumel. Endlich brauchten wir uns nicht mehr verstecken. Über Nacht gab es zwei Millionen Kriminelle weniger.“ 1\nRosenkranz, Bernhard/ Bollmann, Ulf: Hamburg auf anderen Wegen, Lambda Edition GmbH Hamburg 2., Aufl. 2005,\u0026#160;\u0026#x21a9;\u0026#xfe0e;\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/geschichte/entschaerfung-des-175/","summary":"\u003cp\u003eDer \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/%C2%A7_175_Strafgesetzbuch_%28Deutschland%29\"\u003e§175 StGB\u003c/a\u003e kriminalisierte seit 1871 sexuelle Handlungen zwischen Männern* und wurde insbesondere nach seiner Verschärfung durch die Nationalsozialisten 1935 zur Verfolgung von Homosexuellen genutzt. Nach jahrelanger Lobby-Arbeit durch die Homophilen-Bewegung wurde er in der Bundesrepublik zum 1. September 1969 entschärft. Eine zweite Reform folgte im Jahr 1973. Seitdem waren sexuelle Handlungen mit männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren strafbar, wogegen das Schutzalter bei lesbischen und heterosexuellen Handlungen bei 14 Jahren lag.\nErst am 10. Juni 1994 wurde der §175 komplett aus dem StGB gestrichen; die in seinem Namen gefällten Urteile wurden sogar erst 2017 großteils aufgehoben.\u003c/p\u003e","title":"Entschärfung des §175"},{"content":"Am 07. September 1960 antwortet Dr. Gunther Freytag, Leiter der Kriminalpolizei, ans Walter Düsedau, Bezirksleiter des Bezirks Hamburg-Mitte, auf dessen Eingabe.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19630101_schlie%C3%9Fung_bed%C3%BCrfnisanstalt_cuxhavenerallee/","summary":"\u003cp\u003eAm 07. September 1960 antwortet \u003ca href=\"https://actapro-benutzung.hamburg.de/actaproweb/document/Vz_94effc46-a0a2-44f3-aca8-a47291411e73\"\u003eDr. Gunther Freytag\u003c/a\u003e, Leiter der Kriminalpolizei, ans \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_D%C3%BCsedau_%28Politiker%29\"\u003eWalter Düsedau\u003c/a\u003e, Bezirksleiter des Bezirks Hamburg-Mitte, auf dessen Eingabe.\u003c/p\u003e","title":"Bedürfnisanstalt: Cuxhavener Allee"},{"content":"Am 07. September 1960 antwortet Dr. Gunther Freytag, Leiter der Kriminalpolizei, ans Walter Düsedau, Bezirksleiter des Bezirks Hamburg-Mitte, auf dessen Eingabe.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19600907_bed%C3%BCrfnisanstalt_lange_reihe_spadenteich/","summary":"\u003cp\u003eAm 07. September 1960 antwortet \u003ca href=\"https://actapro-benutzung.hamburg.de/actaproweb/document/Vz_94effc46-a0a2-44f3-aca8-a47291411e73\"\u003eDr. Gunther Freytag\u003c/a\u003e, Leiter der Kriminalpolizei, ans \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_D%C3%BCsedau_%28Politiker%29\"\u003eWalter Düsedau\u003c/a\u003e, Bezirksleiter des Bezirks Hamburg-Mitte, auf dessen Eingabe.\u003c/p\u003e","title":"Bedürfnisanstalt: Lange Reihe/Spadenteich"},{"content":"Am 07. September 1960 antwortet schreibt Walter Düsedau, Bezirksleiter des Bezirks Hamburg-Mitte, eine Eingabe an Kriminal-Oberrat Dr. Gunther Freytag, Leiter des Kriminalamtes der Polizeibehörde (nicht zu verwechseln mit der Fernsehserie Kommissar Freytag). Er bittet um die Kontrolle der öffentliche Toilette Lange Reihe/Spadenteich (inzwischen abgebaut), da dem Bezirksamt \u0026ldquo;wiederholt angetragen worden\u0026rdquo; sei, dass dort \u0026ldquo;häufig Homosexuelle herumlungern\u0026rdquo;. Zum \u0026ldquo;Schutze der Kinder, die den Kinderspielplatz\u0026rdquo; in direkter Umgebung beuschen, sei ein \u0026ldquo;polizeiliches Eingreifen (…) erforderlich.\u0026rdquo;\nGunther Freytag antwortet am 07. September 1960.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/dokumente/19600802_bed%C3%BCrfnisanstalt_lange_reihe_spadenteich/","summary":"\u003cp\u003eAm 07. September 1960 antwortet schreibt \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_D%C3%BCsedau_%28Politiker%29\"\u003eWalter Düsedau\u003c/a\u003e, Bezirksleiter des Bezirks Hamburg-Mitte, eine Eingabe an \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Amtsbezeichnungen_der_deutschen_Polizei#Laufbahn_des_gehobenen_Polizeivollzugsdienstes_3\"\u003eKriminal-Oberrat\u003c/a\u003e \u003ca href=\"https://actapro-benutzung.hamburg.de/actaproweb/document/Vz_94effc46-a0a2-44f3-aca8-a47291411e73\"\u003eDr. Gunther Freytag\u003c/a\u003e, Leiter des Kriminalamtes der Polizeibehörde (nicht zu verwechseln mit \u003ca href=\"https://www.youtube.com/watch?v=TOibniIsryA\"\u003eder Fernsehserie\u003c/a\u003e \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Kommissar_Freytag\"\u003eKommissar Freytag\u003c/a\u003e). Er bittet um die Kontrolle der öffentliche Toilette Lange Reihe/Spadenteich (inzwischen abgebaut), da dem Bezirksamt \u0026ldquo;wiederholt angetragen worden\u0026rdquo; sei, dass dort \u0026ldquo;häufig Homosexuelle herumlungern\u0026rdquo;. Zum \u0026ldquo;Schutze der Kinder, die den Kinderspielplatz\u0026rdquo; in direkter Umgebung beuschen, sei ein \u0026ldquo;polizeiliches Eingreifen (…) erforderlich.\u0026rdquo;\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003e\u003ca href=\"\"\u003eGunther Freytag antwortet am 07. September 1960.\u003c/a\u003e\u003c/p\u003e","title":"Bedürfnisanstalt: Lange Reihe/Spadenteich"},{"content":"Chemical Mace wurde in den 1960er Jahren als Verteidingungs-Spray für den Privatgebrauch entwickelt und schnell von der Polizei als angeblich nicht-letale Waffe zur Kontrolle von Demonstrationen eingesetzt. Beim Zwischenfall im Schanzenpark im Rahmen der ersten Stonewall-Demonstration in Hamburg am 28.06.1980 verwendete die Polizei CN-Gas gegen unbewaffnete und friedliche Demonstrant:innen.\nAuf Englisch wird der Markenname mace inzwischen als Genrename für Tränengas im allgemeinen genutzt, während der Name chemical mace in deutschen Medien die Sprays mit dem Wirkstoff ω-Chloracetophenon (CN) bezeichnet. Wegen stark gesundheitsgefährdender Wirkung (mögliche Folgen sind u.a. Erblindung, Hautkrebs, Tod durch Lungenschädigungen) darf CN-Gas nur mit ausreichendem Sicherheitsabstand abgegeben werden, und wurde nach und nach durch 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril (CS) (Tränengas) und Pfefferspray ersetzt.\nDie Wirkung von CN wurde in den 70er Jahren im Rahmen der Berichterstattung über die Militarisierung der Polizei und das zunehmend gewalttätige Vorgehen gegen Demonstrierende in bundesdeutschen Medien breit diskutiert.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/geschichte/chemical_mace/","summary":"\u003cp\u003e\u003cem\u003eChemical Mace\u003c/em\u003e wurde in den 1960er Jahren als Verteidingungs-Spray für den Privatgebrauch entwickelt und schnell von der Polizei als angeblich nicht-letale Waffe zur Kontrolle von Demonstrationen eingesetzt. Beim \u003ca href=\"/de/geschichte/kaireinecke_schanzenpark/\"\u003eZwischenfall im Schanzenpark\u003c/a\u003e im Rahmen der ersten \u003ca href=\"/de/tour/05_von_demo_zu_demo/\"\u003eStonewall-Demonstration\u003c/a\u003e in Hamburg am 28.06.1980 verwendete die Polizei CN-Gas gegen unbewaffnete und friedliche Demonstrant:innen.\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eAuf Englisch wird der Markenname \u003cem\u003emace\u003c/em\u003e inzwischen als Genrename für Tränengas im allgemeinen genutzt, während der Name \u003cem\u003echemical mace\u003c/em\u003e in deutschen Medien die Sprays mit dem Wirkstoff \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/%CE%A9-Chloracetophenon\"\u003eω-Chloracetophenon (CN)\u003c/a\u003e bezeichnet. Wegen \u003ca href=\"http://umweltlexikon.katalyse.de/?p=4036\"\u003estark gesundheitsgefährdender Wirkung\u003c/a\u003e (mögliche Folgen sind u.a. Erblindung, Hautkrebs, Tod durch Lungenschädigungen) darf CN-Gas nur mit ausreichendem Sicherheitsabstand abgegeben werden, und wurde nach und nach durch \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/2-Chlorbenzylidenmalons%C3%A4uredinitril\"\u003e2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril (CS)\u003c/a\u003e (Tränengas) und \u003ca href=\"https://de.wikipedia.org/wiki/Pfefferspray\"\u003ePfefferspray\u003c/a\u003e \u003ca href=\"https://www.wired.com/story/whats-inside-triple-action-mace-chili-peppers-and-uv-dye/\"\u003eersetzt\u003c/a\u003e.\u003c/p\u003e","title":"Chemical Mace – CN-Gas"},{"content":"Team Künstlerisches Team Künstlerische Leitung: Simon Schultz Produktion: Dana Tucker Johanna Thomas Szenografie: Aria Gilani Anne Sofie Ravnsbæk Geertsen Daniel Pietschmann Tourkonzept und Performance: Sarah Plochl Nina Kuttler Sound: keos Layout: Mawuto Dotou Social Media: Kenneth Komlan Soussoukpo Dokumentation: Maik Gräf Diskursprogramm: Stefan Valdés Tittel Anouar Merabet Dramaturgie: Lucien Lambertz Dank Dieses Projekt hätte nicht diese Qualität, ohne die Unterstützung und Vorarbeit folgender Personen und Institutionen:\nAnja Steidinger, Nora Sternfeld, Mira-Kristin Saitzek, Kai Reinecke, Tarek Shukrallah, Phileas, Ulf Treger, Eberhard Raithelhuber, Felix Schultz von Dratzig, Vivien Friedrich, Carmen Ripper, Emre Abut, Daniela Nicolò, Enrico Casagrande, Doro Halbrock, Thomas Herrmann, Gottfried Lorenz, Ulf Bollmann, Wolfgang Krömer, Klaus-Dieter Begemann, Ulrich Würdemann, Corni Littmann, Daniel Frahm, Riso Print Hamburg, Fuck Yeah Sexshopkollektiv, Schwules Museum Berlin, Queer History Month Hamburg, Pink Channel, Gängeviertel Hamburg, Yamaguchi Center for Arts and Media, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Archiv der Hamburger Hochbahn, und alle die ungenannt beigetragen haben.\nFörderung Die Projektentwicklung wurde gefördert vom Fonds Darstellende Künste und dem Kofinanzierungsfonds der Behöre für Kultur und Medien der Stadt Hamburg. Mit freundlicher Unterstützung von Eeden e.V. \u0026amp; der Friedrich-Ebert-Stiftung (Regionalbüro Nord).\nImpressum\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/credits/","summary":"\u003ch2 id=\"team\"\u003eTeam\u003c/h2\u003e\n\u003ctable\u003e\n  \u003cthead\u003e\n      \u003ctr\u003e\n          \u003cth style=\"text-align: left\"\u003eKünstlerisches Team\u003c/th\u003e\n          \u003cth style=\"text-align: left\"\u003e\u003c/th\u003e\n      \u003c/tr\u003e\n  \u003c/thead\u003e\n  \u003ctbody\u003e\n      \u003ctr\u003e\n          \u003ctd style=\"text-align: left\"\u003e\u003cstrong\u003eKünstlerische Leitung:\u003c/strong\u003e\u003c/td\u003e\n          \u003ctd style=\"text-align: left\"\u003e\u003ca href=\"https://simonschultz.net\"\u003eSimon Schultz\u003c/a\u003e\u003c/td\u003e\n      \u003c/tr\u003e\n      \u003ctr\u003e\n          \u003ctd style=\"text-align: left\"\u003e\u003cstrong\u003eProduktion:\u003c/strong\u003e\u003c/td\u003e\n          \u003ctd style=\"text-align: left\"\u003e\u003ca href=\"https://www.instagram.com/tallulahfreeway/\"\u003eDana Tucker\u003c/a\u003e \u003cbr\u003e \u003ca href=\"https://www.linkedin.com/in/johanna-thomas-02367a202/\"\u003eJohanna Thomas\u003c/a\u003e\u003c/td\u003e\n      \u003c/tr\u003e\n      \u003ctr\u003e\n          \u003ctd style=\"text-align: left\"\u003e\u003cstrong\u003eSzenografie:\u003c/strong\u003e\u003c/td\u003e\n          \u003ctd style=\"text-align: left\"\u003e\u003ca href=\"https://arialoea.net/cv\"\u003eAria Gilani\u003c/a\u003e \u003cbr\u003e  \u003ca href=\"https://www.linkedin.com/in/anne-sofie-ravnsb%C3%A6k-geertsen-45806b202/\"\u003eAnne Sofie Ravnsbæk Geertsen\u003c/a\u003e \u003cbr\u003e \u003ca href=\"https://danielpietschmann.de/\"\u003eDaniel Pietschmann\u003c/a\u003e\u003c/td\u003e\n      \u003c/tr\u003e\n      \u003ctr\u003e\n          \u003ctd style=\"text-align: left\"\u003e\u003cstrong\u003eTourkonzept und Performance:\u003c/strong\u003e\u003c/td\u003e\n         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Museum Berlin, Queer History Month Hamburg, Pink Channel, Gängeviertel Hamburg, Yamaguchi Center for Arts and Media, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Archiv der Hamburger Hochbahn, und alle die ungenannt beigetragen haben.\u003c/p\u003e","title":"Credits"},{"content":"Am 02. Juli 1980 zerschlug ein anonymes Kollektiv einen Spionspiegel, der auf der öffentlichen Herrentoilette in der U-Bahnstation Jungfernstieg eingebaut war. Dieser wurde von der Hamburger Polizei dazu genutzt, Männer die Sex mit Männern suchten zu überwachen und sie durch Kontrollen, Verwarnungen und Hausverbote illegalerweise in sogenannten \u0026ldquo;Rosa Listen\u0026rdquo; zu registrieren. Die Ausstellung \u0026ldquo;Hammerschlag\u0026rdquo; beschäftigt sich mit der polizeilichen Überwachungspraxis, dem Toilettenraum in queerer Kunst, und der queeren Selbstbefreiungspraxis im Jahr 1980.\nWir müssen nur den Hammer aus der Tasche ziehn \u0026lt;\u0026gt; und damit auf die örtliche Klappe gehn\nAusstellung Zeitleiste 01 Intro ","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/start/","summary":"\u003cp\u003eAm 02. Juli 1980 zerschlug ein anonymes Kollektiv einen Spionspiegel, der auf der öffentlichen Herrentoilette in der U-Bahnstation Jungfernstieg eingebaut war. Dieser wurde von der Hamburger Polizei dazu genutzt, Männer die Sex mit Männern suchten zu überwachen und sie durch Kontrollen, Verwarnungen und Hausverbote illegalerweise in sogenannten \u0026ldquo;Rosa Listen\u0026rdquo; zu registrieren. Die Ausstellung \u0026ldquo;Hammerschlag\u0026rdquo; beschäftigt sich mit der polizeilichen Überwachungspraxis, dem Toilettenraum in queerer Kunst, und der queeren Selbstbefreiungspraxis im Jahr 1980.\u003c/p\u003e","title":"Hammerschlag"},{"content":"Impressum Inhaltlich verantwortlich:\nSimon Schultz – Atelier – Caffamacherreihe 39\n20355 Hamburg\nE-Mail: hello simonschultz.net Web: http://simonschultz.net\nHaftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.\nInformationen zum Copyright: Der Inhalt dieser Webseiten ist urheberrechtlich geschützt. Alle Abbildungen und fotografischen Bilder auf der Webseite dürfen nicht ohne Genehmigung übernommen, vervielfältigt und verbreitet werden.\nDiese Webseite erhebt keine personenbezogenen Daten.\n","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/impressum/","summary":"\u003ch1 id=\"impressum\"\u003eImpressum\u003c/h1\u003e\n\u003cp\u003eInhaltlich verantwortlich:\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eSimon Schultz \u003cbr\u003e\n– Atelier – \u003cbr\u003e\nCaffamacherreihe 39\u003cbr\u003e\n20355 Hamburg\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eE-Mail: hello simonschultz.net \u003cbr\u003e\nWeb: \u003ca href=\"http://simonschultz.net\"\u003ehttp://simonschultz.net\u003c/a\u003e\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eHaftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. 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Alle Abbildungen und fotografischen Bilder auf der Webseite dürfen nicht ohne Genehmigung übernommen, vervielfältigt und verbreitet werden.\u003c/p\u003e\n\u003cp\u003eDiese Webseite erhebt keine personenbezogenen Daten.\u003c/p\u003e","title":"Impressum"},{"content":" \u0026times; ","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/map-fullscreen/","summary":"Eine Übersichtskarte der mit Überwachungsspiegeln ausgestatteten öffetnlichen Toiletten in Hamburg (Stand: 1975)","title":"Karte"},{"content":"Kunst Dries Verhoeven — \u0026raquo;Wanna Play\u0026laquo; Nesterval – \u0026raquo;Die Namenlosen\u0026laquo; Joëlle Mesén-Ramírez – \u0026raquo;The Blood Diaries\u0026laquo; Emre Abut – \u0026raquo;Library of Stretching and Loosening up\u0026laquo; Leaky Vessel City Data Explosion – \u0026raquo;I-See (Remake)\u0026laquo; Jill Magid – \u0026raquo;Evidence Locker\u0026laquo; https://858.ma/ Stefan Wahler und Julia Stolba – »Affective Archive« Politische Bildung Heike Schader – \u0026raquo;Lacune\u0026laquo; Queer History Month Hamburg A Thousand Channels – eine queere Mapping-Plattform Pink Channel – queeres Radio in Hamburg Mohamed Amjahid – \u0026raquo;Alles nur Einzelfälle? Das System hinter der Polizeigewalt\u0026laquo; Tarek Shukrallah – \u0026raquo;Nicht die Ersten. Bewegungsgeschichten von Queers of Color in Deutschland\u0026laquo; Kuku Schrapnell – \u0026raquo;Gender Punks\u0026laquo; Maria Bühner – \u0026raquo;Rebellion und Zärtlichkeit. Zur Geschichte lesbischen Lebens in der DDR\u0026laquo; Ulrich Würdemann – »2mecs.de« Monty Arnold – »The St. Georg Herald« Martha Roth – »The Heartbreak Machine: Nazis in the Echo Chamber« ","permalink":"https://hhammerschlag.de/de/links/","summary":"\u003ch2 id=\"kunst\"\u003eKunst\u003c/h2\u003e\n\u003cul\u003e\n\u003cli\u003eDries \u003cstrong\u003eVerhoeven\u003c/strong\u003e — \u003ca href=\"https://driesverhoeven.com/en/project/wanna-play/\"\u003e\u0026raquo;Wanna Play\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003e\u003cstrong\u003eNesterval\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.nesterval.at/die-namenlosen-verfolgt-in-hamburg-d/\"\u003e\u0026raquo;Die Namenlosen\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eJoëlle \u003cstrong\u003eMesén-Ramírez\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.joellemesenramirez.com/works/the-blood-diaries\"\u003e\u0026raquo;The Blood Diaries\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eEmre \u003cstrong\u003eAbut\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.kunstmuseumbochum.de/ausstellung-veranstaltung/details/tea-talk-in-der-library-of-stretching-and-losening-up-tunay-oender-emre-abut-laden-zum-tea-talk-ein/\"\u003e\u0026raquo;Library of Stretching and Loosening up\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003e\u003ca href=\"https://www.instagram.com/leaky.vessel/\"\u003e\u003cstrong\u003eLeaky Vessel\u003c/strong\u003e\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003e\u003ca href=\"https://citydataexplosion.tumblr.com/post/806094642375507968/i-see-wege-durch-die-stadt\"\u003e\u003cstrong\u003eCity Data Explosion\u003c/strong\u003e\u003c/a\u003e – \u003ca href=\"https://i-see.citydataexplosion.de/hamburg-downtown/\"\u003e\u0026raquo;I-See (Remake)\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eJill \u003cstrong\u003eMagid\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.biennial.com/artists/jill-magid/\"\u003e\u0026raquo;Evidence\u003c/a\u003e \u003ca href=\"https://www.jillmagid.com/projects/evidence-locker-2\"\u003eLocker\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003e\u003ca href=\"https://858.ma/\"\u003e\u003cstrong\u003ehttps://858.ma/\u003c/strong\u003e\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eStefan \u003cstrong\u003eWahler\u003c/strong\u003e und Julia \u003cstrong\u003eStolba\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"http://affective-archive.org/\"\u003e»Affective Archive«\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003c/ul\u003e\n\u003ch2 id=\"politische--bildung\"\u003ePolitische  Bildung\u003c/h2\u003e\n\u003cul\u003e\n\u003cli\u003eHeike \u003cstrong\u003eSchader\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://lacune-map.de/\"\u003e\u0026raquo;Lacune\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003e\u003ca href=\"https://queerhistoryhamburg.de/\"\u003e\u003cstrong\u003eQueer History Month Hamburg\u003c/strong\u003e\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003e\u003ca href=\"https://www.a-thousand-channels.xyz/\"\u003e\u003cstrong\u003eA Thousand Channels\u003c/strong\u003e\u003c/a\u003e – eine queere Mapping-Plattform\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003e\u003ca href=\"https://www.pinkchannel.net/\"\u003e\u003cstrong\u003ePink Channel\u003c/strong\u003e\u003c/a\u003e – queeres Radio in Hamburg\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eMohamed \u003cstrong\u003eAmjahid\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://mamjahid.net/about/\"\u003e\u0026raquo;Alles nur Einzelfälle? Das System hinter der Polizeigewalt\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eTarek \u003cstrong\u003eShukrallah\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.assoziation-a.de/buch/Nicht_die_Ersten/\"\u003e\u0026raquo;Nicht die Ersten. Bewegungsgeschichten von Queers of Color in Deutschland\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eKuku \u003cstrong\u003eSchrapnell\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.verbrecherverlag.de/shop/gender-punks/\"\u003e\u0026raquo;Gender Punks\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eMaria \u003cstrong\u003eBühner\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.academia.edu/124359120/Rebellion_und_Za_rtlichkeit_Zur_Geschichte_lesbischen_Lebens_in_der_DDR\"\u003e\u0026raquo;Rebellion und Zärtlichkeit. Zur Geschichte lesbischen Lebens in der DDR\u0026laquo;\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eUlrich \u003cstrong\u003eWürdemann\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://www.2mecs.de/wp/2025/11/mein-beinahe-erstes-tattoo/\"\u003e»2mecs.de«\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eMonty \u003cstrong\u003eArnold\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://blog.montyarnold.com/2022/05/21/20716/\"\u003e»The St. Georg Herald«\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003cli\u003eMartha \u003cstrong\u003eRoth\u003c/strong\u003e – \u003ca href=\"https://media.ccc.de/v/39c3-the-heartbreak-machine-nazis-in-the-echo-chamber\"\u003e»The Heartbreak Machine: Nazis in the Echo Chamber«\u003c/a\u003e\u003c/li\u003e\n\u003c/ul\u003e","title":"Links"},{"content":"Ewa Majewska – \u0026raquo;Public against their will. 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