Rüdiger Trautsch, der in den Jahren 1979 bis 1981 dem Café TucTuc sehr verbunden war, studierte zeitgleich Fotografie an der Hochschule für Bildende Künste. Für seine Abschlussarbeit »Aus Liebe hat es kaum einer getan!« inszeniert er Szenen aus dem Alltag eines gewöhnlichen Homosexuellen (Martin Dannecker und Reimut Reiche).
Das großformatige Heft liegt schwer in der Hand; mit viel Weißraum und bewusst ausgewogener Platzierung von Text und Bild gibt Trautsch seinem Protagonisten Reinhold, einem Schaufensterdekorateur mittleren Alters, den nötigen Platz um mit Make-Up über die IGA zu schlendern, Besuch von der Tante zu bekommen, durch Parks und Klappen zu cruisen und im großen Abendkleid durch das Nachtleben zu tänzeln. Ein berührendes Portrait.
Die Publikation erschien 1981 im material-Verlag der HFBK Hamburg. Einen guten Einblick in Trauschts Arbeit gibt das anlässlich einer Retrospektive 2023 entstandene Zine mit einem Essay von Peter Rehberg.
Mir schwebte angesichts der Tatsache, daß Reinhold sein Schwulsein scheinbar so problemlos öffentlich machen konnte, ein Musterbericht homosexueller Emanzipation vor, der als Foto-Text-Dokumentation den schwulen Aktionsgruppen zur Diskussion dienen sollte. Über ein Jahr habe ich mit Reinhold Fotos und Interviews gemacht und so aus unmittelbarer Nähe ein ganz anderes Bild erhalten - Bilder, die selbst dann noch Verzweiflung zeigen, wenn ein lustvoller Ausbruch aus verinnerlichter Bürgermoral versucht wird, der doch nur in der Sackgasse endet.
– Rüdiger Trautsch
