Der Autor Felix Rexhausen veröffentlicht in seinem Sammelband “Die Märchenklappe” den Text “Dienstlich Unterwegs”, in dem er die Gedankengänge eines fiktiven Polizisten verschriftlicht, der auf der Klappe am Spielbudenplatz Homosexuelle observieren soll. Im Gegensatz zu seinem desinteressierten Kollegen scheint er eine voyeuristische Schaulust an der “Aussicht auf Pissburg” (S. 64) zu haben: “Heute ist es irre langweilig hier. Klar, immer noch besser, als bei dem Wetter draußen rumrennen oder im Peterwagen. Aber sonst fand ich’s irgendwie netter, geh immer ganz gern her.” (S. 65)
Der Satire stellt Rexhausen ein Gedicht voran:
Hinter Spiegeln,
durchschau-klaren,
in Pissoiren,
öffentlichen,
saßen, sitzen
da und dort mal
Polizisten
um den Fortfall
rechter Sitten
zu gewahren
und dann mitten
reinzufahren
und die Sittlichkeit zu schützen.
– Felix Rexhausen: “Dienstlich Unterwegs” 1982
Queer.de zufolge ähnelt der Inhalt der Satire dem Theaterstück “Der zufällige Tod des Christian K.” des Regisseurs Ulrich Waller, das im Dezember 1980 im Malersaal seine Premiere hatte. Dort wird die Situation der Polizisten folgendermaßen beschrieben:
Zu ihren Berufspflichten gehört es, die Männer auf der anderen Seite des Spiegels genau zu beobachten: Schüttelt jener Herr nur ab oder wichst er schon? Einmal sagt der Polizist zu seinem die “Bild”-Zeitung lesenden Kollegen: “Als ob’s nicht wichtigere Sachen zu tun gäbe für Leute wie uns! Ob diese schwulen Säue sich nun hier begrabbeln oder anderswo, ist doch scheißegal, machen tun sie’s ja doch.”
Man hat fast Mitleid mit den Polizisten, aber diese Satire zielt nicht auf Empathie für die Ordnungshüter, sondern verweist darauf, dass etwas nicht in Ordnung ist mit diesem Rechtsstaat.
- Felix Rexhausen (1982): Dienstlich Unterwegs. In: Ders.: Die Märchenklappe. Allerlei Zwischenmännlichkeiten. Verlag Rosa Winkel, Berlin: 1982, S. 64-67. (CW: N-Wort, Rassismus)