Der britische schwule Exzentriker Quentin Crisp schreibt in seinem 1968 erschienenen Buch »The Naked Civil Servant» (im Jahr 1988 auf deutsch als „Crisperanto“ übersetzt) folgendes über den Polizeilockvogel in öffentlichen Toiletten:

CW: rassistische Stereotype, I-Wort

Das Hauptoperationsgebiet für diese besondere Strategie waren die schwach erleuchteten öffentlichen Toiletten in den weniger dicht besiedelten Gebieten Londons. Während ein Detektiv in normaler Kleidung mit wachsamer Gleichgültigkeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf und ab spazierte, stand sein Komplize, von den Vorgesetzten wegen seiner natürlichen und für diese Arbeit geeigneten Ausstattung ausgesucht, dort im Pissoir und ›ließ sehen‹ – er führte seinen Do-it-yourself-Apparat jedem vor, der zufällig hineinkam. (Man kann sich nicht vorstellen, wie ein Ausrüstungsappell, der ja vor jedem Antritt des Dienstes stattfinden müßte, aussehen würde.) Die Falle funktionierte gut, und viele der unglaublichsten Leute wurden auf diese Wiese in ihr Verderben gelockt. In jüngerer Zeit, wo jedermann diese Manöver kennt, sind sie außer Mode gekommen. Die allgemeine Kenntnis beraubt sie ihres Effektes. Sie beleidigen auch den sportlichen Instinkt des britischen Volkes. Man sieht sie als Trick an, wie wenn man ein Diamantenarmband auf den Bürgersteig legt und sich aus dem Hinterhalt auf jeden stürzt, der sich danach bückt. Beinahe ausschließlich traf es Grenzfälle. Diejenigen, deren Vorstellung von einem netten Abend darin bestand, von einem ›Herren‹ zum anderen zu wandern, lernten schnell, einen Bullen schon mit Blindenschrift zu erkennen. Personen, die nie von Homosexualität gehört hatten, aber deren natürliche Neugier von jeglicher Manifestation seltsamen menschlichen Verhaltens erregt wurde, waren durch diese Techniken der Polizei in einer solchen Gefahr. Auch wenn man eine gute Nacht erwischt hatte, führte die eine Frage an den Wachtmeister, was um alles in der Welt er da tue, mit Sicherheit zur Festnahme; war es eine schlechte, genügte ein kurzer Blick in seine Richtung. Das schlimmste Ergebnis des Lockvogelsystems war aber, daß bei einem so abkommandierten Polizisten, der zufällig nichts für Schwule übrig hatte, sich Abneigung schnellstens in wüstesten Haß verwandelte. Umgekehrt entwickelten Homosexuelle, die ursprünglich die Polizei fürchteten, was manche ja für eine gute Sache halten mögen, nun Verachtung für sie.

Aus der Sicht des Gesetzes war die einzige Schwäche des Lockvogelsystems die Tatsache, daß man zwei Wachtmeister brauchte, um einen Sexualdelinquenten zu fangen. Das war eine Verschwendung von Arbeitskraft. Die Polizei betrachtete Homosexuelle, wie die Indianer Nordamerikas den Bison. Sie zerbrachen sich den Kopf, wie man sie gleich in Herden ausrotten könnte. Mit Hilfe von Denunzianten fanden sei heraus, wo die großen Fummelbälle abgehalten wurden, und auf diese richteten sie ihre Aufmerksamkeit."

– Quentin Crisp: “Crisperanto”, Amman Verlag 1988, S.96f.