Schaulust in Harun Farockis »Gefängnisbilder«

Im Film Gefängnisbilder von 2001 zeigt Harun Farocki Ausschnitte aus Jean Genets Film “Un Chant d’Amour” (1950), bei denen ein Gefängniswärter eine voyeuristische Schaulust an der Masturbation, “dem Liebesleben”, der Gefangenen entwickelt. Das Gefängnis ist ein Ort der Verbote, und also der Geheimnisse und Übertretungen, zumindest der erhofften und phantasierten. – Harun Farocki, »Gefängnisbilder«, DE 2000, Min. 08:05 Der Filmemacher Farocki stellt den Ausschnitten dokumentarische Bilder aus US-amerikanischen Gefängnissen entgegen, in denen Gefangene versuchen, die durchsichtigen Gittertüren der Zellen mit ihren Matratzen abzudecken, um so etwas wie Privatsphäre herzustellen. Diese Versuche werden regelmäßig gewaltsam mit Reizgas/Tränengas und physischer Gewalt beendet.

William E. Jones »Tearoom«

Der Titel des Filmes „Tearoom” des Filmemachers William E. Jones spielt mit dem Begriff Tearoom - der im slang einen Ort für schnellen Sex bezeichnet. Im Jahr 1962 drehte die Polizei der Stadt Mansfield, Ohio, ein Lehrvideo, in dem sie ihre Art der Verfolgung homosexueller Männer dokumentierte. Die Tür eines Putzraumes der öffentlichen Herrentoilette wurde mit einem Einwegspiegel ausgestattet, sodass ein Beamter mit einer 16mm-Filmkamera von dort aus unerkannt die Männer, die sich dort zum Sex trafen, überwachen und filmen konnte. Das Filmmaterial wurde anschließend vor Gericht als Beweismittel verwendet, wodurch alle angeklagten Männer als schuldig verurteilt wurden und mindestens ein Jahr im Gefängnis verbrachten. An den überlieferten Aufnahmen ist auffällig, dass einige Gesichter aus dem Filmmaterial herausgebrannt und so unkenntlich gemacht wurden. Der Künstler vermutet, dass es sich bei diesen Menschen um Polizeibeamte gehandelt haben könnte, die von ihren Kolleg:innen gedeckt wurden. Im Jahr 2008 veröffentlichte William E. Jones diesen Lehrfilm ungekürzt – als radikales Beispiel dafür, einen Film ‚as found‘ zu nutzen – und macht einerseits damit die Überwachungspraxis der Polizei in den 1960er Jahren sichtbar, zeigt andererseits aber auch die Veränderung und damit auch die Veränderbarkeit des Diskurses in den letzten 50 Jahren auf.