Schaulust in Harun Farockis »Gefängnisbilder«

Im Film Gefängnisbilder von 2001 zeigt Harun Farocki Ausschnitte aus Jean Genets Film “Un Chant d’Amour” (1950), bei denen ein Gefängniswärter eine voyeuristische Schaulust an der Masturbation, “dem Liebesleben”, der Gefangenen entwickelt. Das Gefängnis ist ein Ort der Verbote, und also der Geheimnisse und Übertretungen, zumindest der erhofften und phantasierten. – Harun Farocki, »Gefängnisbilder«, DE 2000, Min. 08:05 Der Filmemacher Farocki stellt den Ausschnitten dokumentarische Bilder aus US-amerikanischen Gefängnissen entgegen, in denen Gefangene versuchen, die durchsichtigen Gittertüren der Zellen mit ihren Matratzen abzudecken, um so etwas wie Privatsphäre herzustellen. Diese Versuche werden regelmäßig gewaltsam mit Reizgas/Tränengas und physischer Gewalt beendet.

Felix Rexhausens »Dienstlich Unterwegs« (Männerschwarm)

Der Autor Felix Rexhausen veröffentlicht in seinem Sammelband “Die Märchenklappe” den Text “Dienstlich Unterwegs”, in dem er die Gedankengänge eines fiktiven Polizisten verschriftlicht, der auf der Klappe am Spielbudenplatz Homosexuelle observieren soll. Im Gegensatz zu seinem desinteressierten Kollegen scheint er eine voyeuristische Schaulust an der “Aussicht auf Pissburg” (S. 64) zu haben: “Heute ist es irre langweilig hier. Klar, immer noch besser, als bei dem Wetter draußen rumrennen oder im Peterwagen. Aber sonst fand ich’s irgendwie netter, geh immer ganz gern her.” (S. 65) ...

1. Januar 1982