Wir betreten jetzt den Putzraum, denn ehe wir uns ins Innere der Geschichte begeben, müssen wir zunächst anerkennen, dass sich nicht nur die Umstände queeren Lebens seit den 1980er Jahren verändert haben, sondern auch die Sprache, die diese beschreibt: Um heute, im Jahr 2026, die Überlieferungen aus dem Jahr 1980 richtig interpretieren und einordnen zu können, müssen wir uns vor Augen führen, dass mit Queerness und Homosexualität konnotierte Begriffe damals andere Bedeutungen und Nebenbedeutungen hatten als heute. Im Putzraum räumen wir also zuallererst mit Begriffen auf:

Schwul

In den frühen 1970er Jahren eigneten sich aktivistische Menschen den Begriff „schwul“ bewusst an und bezeichneten damit eine öffentlich gelebte politische Sexualität im Gegensatz zu einer, die schamhaft verborgen wurde. Als „schwul“ bezeichneten sich nicht nur homosexuelle Männer, sondern auch lesbische Frauen, die sich gemeinsam in Schwulengruppen organisierten.

Tunte

Die Tunte bezeichnete einen sich bewusst affektiert, extrovertiert und „weibisch“ verhaltenden Mann, der seine Orientierung offen lebt. Neben ihrem bürgerlichen Namen trugen viele Tunten einen „Tuntennamen“ und nutzen untereinander die Pronomen „sie/ihr“ - und das ungeachtet ihrer Geschlechtsidentität. Ihre Freizeitkleidung war „der Fummel“ (Tuntensprache für Outfit). Damit grenzten sie sich klar von jenen ‚heimlichen‘ Homosexuellen ab, die sich weiter männlich-normativ präsentierten, womit sie ihren rechten Platz in der Mitte des Spießbürgertums zu bewahren suchten (vgl. Homonormativität).

Lesbisch

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde „lesbisch“ als despektierlicher Begriff für kriminelle Frauen verwendet, denen Homosexualität unterstellt wurde; erst in den 1970er Jahren eigneten sich homosexuelle Frauen den Begriff als positive Selbstbezeichnung an. Bis in die späten 1970er Jahre bezeichneten sich homosexuelle Frauen jedoch weiterhin auch als schwul (inspiriert durch das englische „gay“) und waren auch aktiver Teil der Schwulenbewegung. Im Umfeld der Frauenbewegung setzte sich schließlich der Begriff „lesbisch“ durch.

Trans

Viele Menschen, die sich heute als „trans“ bezeichnen würden, waren bereits in den 1970er und 1980er Jahren Teil nicht-heteronormativer Szenen und Bewegungen. Sie waren sichtbar – jedoch häufig unter anderen Begriffen und in anderen politischen Zusammenhängen. Innerhalb der Schwulenbewegung stand vor allem die politische Identität einer gleichgeschlechtlichen Orientierung im Zentrum, während Fragen von sozialer Geschlechtsidentität eine untergeordnete Rolle spielten. Trans Frauen bewegten sich vielfach in schwulen Kontexten und bezeichneten sich – je nach Selbstverständnis und Diskurs – etwa als „Tunten“, „Transvestiten“ oder „Transsexuelle“. Diese Begriffe spiegeln weniger ein Fehlen von trans Existenzen wider, als vielmehr andere sprachliche und politische Rahmungen von Geschlecht. Aus heutiger Perspektive kann das als Unsichtbarkeit erscheinen, jedoch handelt es sich eher um eine Verschiebung der Begriffe und Kategorien: Trans Leben war präsent, wurde aber in einer anderen Weise benannt, organisiert oder politisch artikuliert als es heute der Fall ist.