Am 2. Juli 1980 wurden die Spiegel auf der Herrentoilette Jungfernstieg, hinter denen sich Observationsräume befanden, medienwirksam zerschlagen. Vorher wurde im Rahmen einer Schwulen- und Lesben-Demo der Beweis erbracht, dass die Polizei Homosexellenkarteien führte und damit die Praxis der so genannten „Rosa Listen“ aus der Nazizeit weitergeführt, oder zumindest neu aufgenommen hatte.

Der Ablauf der Ereignisse: Im Rahmen der ersten Hamburger „Gay Pride Week“ fand am 28.06.1980 die erste lesbisch-schwule Demonstration in der Hansestadt statt. Unter dem Slogan „10 Jahre Stone Wall – Gegen die Unterdrückung der Homosexuellen“ zogen 1500 Teilnehmende vom Hansaplatz aus durch die Innenstadt und endeten schließlich mit einem Picknick im Schanzenpark. Schon während der Demonstration fiel ein VW Bulli auf, der sich nun im Schanzenpark den Demonstrierenden näherte, aus dem heraus durch heruntergefahrene Scheiben fotografiert wurde. Zur Rede gestellt sagte der Fotograf - ein Polizist in Zivil - aus, die Fotos würden genutzt, um die Karteien aufzufrischen. Die dadurch aufgebrachten Demonstrierenden forderten die Herausgabe der Filme und blockierten den VW-Bus. Eine hinzugerufene Hundertschaft der Polizei löste die Demonstration unter Einsatz von Chemical Mace auf. Mehr zu diesem Moment erzählt Kai Reinecke im Augenzeugeninterview.

Um der nun belegten Überwachungspraxis etwas entgegen zu setzen, schlugen anonyme Aktivist:innen in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni den ersten Überwachungsspiegel am Spielbudenplatz ein. Die Spiegelaktion wurde am 2. Juli in Anwesenheit der Presse wiederholt - Corny Littmann, offen schwuler Theatermacher und damaliger Spitzenkandidat der Hamburger Grünen für die Bundestagswahl 1980, bot sich als Gesicht der Aktion an, da er weniger Repressionen zu fürchten hatte als seine Genoss:innen.

In der Folge stellten Aktivist:innen unter dem Titel „Homosexuelle Bespitzelt“ die Dokumentation der Ereignisse samt Presseschau zusammen, die bei einer weiteren Demo mit mindesten 250 Demonstrierenden am 11. Juli in der Innenstadt öffentlich verteilt wurde. Ebenso wurde in Folge der Demonstration ein Rosa-Listen-Tribunal im Audimax der Uni Hamburg abgehalten.

In den Sitzgelegenheiten befinden sich Dokumente und Fotos der Demonstrationen und Dokumente über den Ablauf der Ereignisse.

Neben dem zeitgeschichtlichen Kontext wollen wir in den nächsten Stationen auf weitere Voraussetzungen schauen, die zum Gelingen einer solchen Aktion beigetragen haben.