Das Café TucTuc in der Oelkersallee 5 wurde 1979 als kollektive Kneipe der zweiten deutschen Schwulenbewegung gegründet. Als selbstorganisierter Ort mit regelmäßigem Veranstaltungsprogramm war es ein wichtiger Treffpunkt für die Szene: viele Künstler:innen, unter ihnen so klingende Namen wie Rosa von Praunheim, Nina Hagen, Corny Littmann, Gunther Schmidt, Dieter Rita Scholl, Ernie Reinhardt und Felix Rexhausen, organisierten hier Lesungen, Filmscreenings, Konzerte, tauschten sich aus und konnten sich hier ausprobieren. Die monatliche Samstagsdisco, die im Wechsel mit der Frauenkneipe im TucTuc stattfand, war über die Stammkundschaft hinaus ein Magnet für interessante Menschen.

In der oberen Etage befand sich ein Besprechungszimmer, in dem sich politische Schwulengruppen wie die Gruppe „Schwusel“ oder die „HAH“ trafen. Die „Stonewall“-Demonstration vom 28.06.1980 sowie die Demonstrationen gegen die „Rosa Listen“ vom 11.07. sind wahrscheinlich hier geplant worden. Als politischer Ort hatte das TucTuc großen Einfluss auf die Neugründungen in den 1980er und 1990er Jahren; heutige Institutionen wie das mhc, das Café Gnosa und das Schmidt Theater sind einige davon. Trotz permanenter Geldnot und großer Fluktuation im Kollektiv gab es das TucTuc bis 1995.

Ulrich Würdemann schreibt in 2mecs.de über das TucTuc, dass es „das erste schwule Café ohne Klingel und abgedunkelte oder verdeckte Fenster, sondern frei einsehbar" war, und noch dazu „ein nicht-kommerzielles Lokal und über den Konsum und Spaß hinaus Raum für Politik und Experimente jeglicher Art.“ Im Interview bestätigt Corny Littmann den Charakter einer kreativen Spielwiese. Hier konnte ganz unkompliziert vieles einfach ausprobiert werden, wobei auch unfertige Sachen auf die Bühne kamen.

Als Beispiel für einige im TucTuc gezeigten Theaterstücke sei hier der Sketch „Was ist Homosexualität (1981)“ der Gruppe »Transitiv« angeführt, bestehend aus Claus Plänkers, Rita Dieter Scholl und Ernie Reinhard. Ein weiteres Original-Video aus dem TucTuc ist die SR-Dokumentation „Leben wir unser Leben. Schwule und ihre Lieder“, in welcher die Mitglieder unterschiedlicher Theater- und Musikgruppen in der Hamburger Schwulenszene rund um das Café zu Wort kommen und auch über die Gründung des TucTuc sprechen.

Dass das TucTuc als utopischer Ort keineswegs ‚einfach so‘ existieren konnte, sondern in einem kollektiven Kraftakt nicht nur aus der Traufe gehoben und selbstbewusst gehalten werden musste, wird bei einem Blick auf feindliche Angriffe deutlich. Allein in den ersten vier Monaten wurde es mindestens fünf Mal von Banden überfallen, die von Augenzeugen als „Jugendliche“, „Rocker“ oder „Neo-Faschisten“ bezeichnet werden. Um sich gegen solche Überfälle zu schützen, wurde eine Telefon-Kette angelegt, die ein enges Unterstützer:innen-Netzwerk im Umfeld zeigt. Telefonkette des Cafe TucTuc