Exemplarisch für die künstlerischen Gruppen, die um 1980 in der Hamburger Schwulenszene aktiv waren, ist der Hamburger Tuntenchor. Gegründet wurde er von dem damals seit dem Coming-Out arbeitslosen Kirchenmusiker Gunther Schmidt. Der Chor feierte mit seinem hauseigenen Ballett »Alsterelsen« und der Untergruppe »Budaschwestern« insgesamt acht Auftritte in Hamburg und Berlin, so unter anderem beim Tunten- und Narzissenball am 21. April 1980 in der Hamburger Markthalle. Sie waren für die Umdichtung bekannter Pop-Songs und Schlager bekannt, die sie stets mit neuen, teils zotigen, teils politischen Texten gemeinschaftlich auf die Bühne brachten. Anlässlich des Spiegelskandals texteten sie Mike Krügers damals aktuellen Hit „Der Nippel“ auf den Spiegel um und präsentierten den »Hammersong« vor Publikum:

Wir müssen nur den Hammer aus der Tasche ziehen / Und damit spät am Abend auf die Klappe geh’n / Da holen wir dann aus / Und hau’n den Spiegel ein / Dahinter onaniert ein Bullenschwein!

Eine wichtige Rolle für die Überlieferung kommt dem Fotografen Rüdiger Trautsch zu. Seine Publikation »Aus Liebe hat es kaum einer getan!« begleitet den offen schwulen Protagonisten Reinhold an verschiedenen Stationen seines Alltags und porträtiert unprätentiös das Leben eines ganz ‚normalen‘ Schwulen.

Rüdiger Trautschs Nachlass, inklusive vieler seiner Fotografien, die das schwule Leben Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre in Hamburg festhalten, ist inzwischen im Archiv des Schwulen Museums in Berlin für die Forschung zugänglich.