Bevor im Jahr 1969 der §175 StGB gelockert wurde und homosexuelles Begehren nicht länger per se strafbar war, mussten es sich seine eigenen Wege und Orte suchen: jenseits des Sichtbaren, im Schatten der Gesellschaft. Es waren die Ränder des urbanen Raums – Parks im Schutz der Nacht, öffentliche Toiletten, verlassene Hafenpiers, Industrieruinen –, in denen sich ein Begehren formierte, das in der Öffentlichkeit keinen Platz haben durfte und gerade dadurch eine eigene Form fand. Was als Verdrängung begann, wurde zur lebendigen Praxis: ein Wissen um die kleinen Gesten und Zeichen, versteckte Momente der Aufmerksamkeit, der Cruising-Codes. Durch Kunst, durch Körper, durch Ausdruck wurden diese Orte verwandelt. In der Aneignung entstand aus dem Verbotenen und der Zweckentfremdung eine eigene Lust, eine Widerständigkeit. Eine frühe Form dessen, was wir heute als queer joy lesen: hervorgebracht nicht trotz, sondern gerade aus der Erfahrung des Ausschlusses und der Marginalisierung.
Diese Energie schreibt sich heute fort: sie pulsiert in der Clubkultur, in der dance culture, die Räume öffnet, wo zuvor keine waren. Die Geschichte ist hörbar in der Musik dieser Zeit – zum Beispiel hier im Set von Saeleen Bouvar in Anlehnung an das FRONT, einen der ersten schwulen Technoclubs Hamburgs. Sie wird auch in Zukunft hörbar sein, beispielsweise in der Musik einer weiterhin marginalisierten queeren Community, die beim Transtronica Festival auf Kampnagel erfahrbar wird.
