Was nicht sichtbar gemacht werden kann sind die konkreten Dokumente, welche die Registrierung von Männern die Sex mit Männern haben in Hamburg belegen. Diese „Rosa Listen“, also Listen mit Namen, Meldeadressen und Geburtsdaten der kontrollierten Männer, liegen zwar im Hamburgischen Staatsarchiv, sind aber aufgrund der Schutzfristen für persönliche Angaben der Betroffenen bis ins Jahr 2040 gesperrt. Dies betrifft die Akten mit der folgenden Signatur: 441-2 (Amt für Bezirksverwaltung), 523 Aktenzeichen 646.90-1/1

Ebenso wenig kann die Sicht der Überwachenden in diesem Raum erscheinen. Im Rahmen der Recherche zu diesem Ausstellungsprojekt wurde in Kooperation mit dem Queer History Month Hamburg versucht ein Interview mit einer Person zu führen, die der Überwachung in den 1970er Jahren in den Reihen der Polizei dienstlich zugearbeitet hat. Die Polizeibehörde wurde auf das geplante Interview aufmerksam und intervenierte: Der ehemalige Dienstherr untersagte das Interview.

Um diese Fehlstelle zu markieren, zeigen wir den Film „Tearoom” des Filmemachers William E.Jones. Im Jahr 1962 drehte die Polizei der Stadt Mansfield, Ohio, ein Lehrvideo, in dem sie ihre Art der Verfolgung homosexueller Männer dokumentierte. Die Tür eines Putzraumes der öffentlichen Herrentoilette wurde mit einem Einwegspiegel ausgestattet, sodass ein Beamter mit einer 16mm-Filmkamera von dort aus unerkannt die Männer, die sich dort zum Sex trafen, überwachen und filmen konnte. Das Filmmaterial wurde anschließend vor Gericht als Beweismittel verwendet, wodurch alle angeklagten Männer als schuldig verurteilt wurden und mindestens ein Jahr im Gefängnis verbrachten. An den überlieferten Aufnahmen ist auffällig, dass einige Gesichter aus dem Filmmaterial herausgebrannt und so unkenntlich gemacht wurden. Der Künstler vermutet, dass es sich bei diesen Menschen um Polizeibeamte gehandelt haben könnte, die von ihren Kolleg:innen gedeckt wurden. Im Jahr 2008 veröffentlichte William E. Jones diesen Lehrfilm ungekürzt – als radikales Beispiel dafür, einen Film “as found” zu nutzen – und macht einerseits damit die Überwachungspraxis der Polizei in den 1960er Jahren sichtbar, zeigt andererseits aber auch die Veränderung und damit auch die Veränderbarkeit des Diskurses in den letzten 50 Jahren auf.