Vielleicht bleibt am Ende dieser Tour in die Geschichte der Überwachung, der Überwacher:innen und der Überwachten nur noch, es mit poetischen Worten zu fassen: Im Sommer 1980 sind Vergangenheiten und Zukünfte aus dem Verborgenen an die Öffentlichkeit gekommen. Genau so wie das Thema „Überwachung“ aus dem Dunkeln ans Licht trat, schreiten wir hinaus aus den Katakomben des Toilettenraumes, in dem sich schwuler Sex und seine Überwachung bis 1980 befunden hatten, hinauf auf das Straßenniveau. Hier, am Tageslicht und in der Öffentlichkeit, können wir miteinander über das Gesehene sprechen, können diskutieren, können versuchen, die Brüche und Veränderungen der letzten Jahrzehnte nachzuspüren, können uns vornehmen, den Schmerz und auch die Freude zu teilen.
Fragt sich:
- Was ist durch das Einschlagen der Spiegel sichtbar geworden?
- Was ist im Verborgenen geblieben?
- Und auch: Welche Gefühle und Momente mussten beim Übertritt in die Öffentlichkeit verdeckt werden?
Mit Blick auf das Heute stellen sich die Fragen, wer im Hier und Jetzt von ähnlichen Systemen der Kontrolle durch Polizei und Gesellschaft betroffen ist. Welche Menschen werden regelmäßig an Bahnhöfen kontrolliert? Wem wird dadurch gezeigt, dass er:sie sich nicht frei bewegen darf, sondern den „Zweck“ der Räume nicht erfüllt? Wer wird aufgrund von zugeschriebenen Merkmalen „anders“ oder „besonders“ behandelt? Welche Konsequenzen hat dieses „in den Blick geraten“ für den Alltag?
Wer sich für die Fragen interessiert, was die Bedingungen für die Sichtbarwerdung in jetzigen öffentlichen Räumen wie Social Media sind, wird sich über das »SPIEGEL PANEL« am Samstag, den 18.04.26 um 14:00 Uhr, mit Shahrzad Golab, Dr. Vera Klocke, und Luna Möbius freuen. Moderiert von René Scharr teilt die Journalistin Schahrzad Golab die Erkenntnisse ihrer Recherchen zu Palantir und technischer Überwachung heute, Vera Klocke wird über ihre Forschung zu Strategien der Inszenierung auf TikTok reden und die aktivistische Content-Creatorin Luna Möbius wird aus dem Maschinenraum der Bildnutzung auf Social Media erzählen.
Im Workshop »MEME THE PAIN AWAY« mit der Wiener Ibiza-Meme-Creatorin Anahita Neghabat wird es sich gemütlich gemacht, um in entspannter Atmosphäre empowernde Memes zu spinnen und mit kreativen Fingerspitzen die Screens zu kitzeln.
Das »HAMMER PANEL« am Samstag den 18.04. um 19:00 Uhr mit Lie Ning, Miriam Coretta Schulte, und Frederik Busch bringt die Kunst und den Aktivismus auf die Bretter die den Abort bedeuten. Moderiert von Dixi Glow spricht Lie Ning über die Reise als QTBIPoC Künstler:in und darüber, was es bedeutet, den Aktivismus quasi in den Schoß gelegt zu bekommen, Miriam Coretta Schulte berichtet von ihrer Recherche zu Kontinuität von Polizeigewalt in Namibia seit der deutschen Kolonie, Frederik Busch zeigt, wie sich in seiner künstlerischen Biographie der Blick auf das Soziale zu einer Praxis des sozialen Raumes gewandelt hat.
Für den schwungvollen Ausklang des Diskurstages lädt Saeleen Bouvar, Gründerin des legendären TRANSTRONICA Festivals, am Samstag Abend 18.04. bei einem exklusiven DJ-Set in der Ausstellung dazu ein, die Körper auf diesem Fiebertraum einer öffentlichen Toilette in Bewegung zu bringen.
Das Team verbeugt sich und findet gemeinsam „das Glück in der Toilette“.
